Noch bleibt der Ball in Bewegung.

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Am Mittwoch, 12.59 Uhr, war es soweit, teilte Hannover 96 mit: Der deutsche Profifußball hat seinen ersten Coronafall. Innenverteidiger Timo Hübers wurde positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Was alle in der Branche seit Tagen befürchtet haben, ist damit plötzlich Realität – die Folgen für den gesamten Spielbetrieb sind noch nicht abzusehen.

Aue-Präsident Leonhardt pro Abbruch

Helge Leonhardt, Präsident von Erzgebirge Aue, riet sogar zur Ultima Ratio, dem sofortigen Abbruch der Saison. "Man sollte einheitlich präventiv handeln, sowohl aus sportlicher als auch aus wirtschaftlicher und vor allem aus gesundheitlicher Sicht. Deshalb empfehle ich einen Abbruch der Spielzeiten", sagte Leonhardt dem Sportinformationsdienst SID.

In der Bundesliga wird unterdessen der 26. Spieltag vollständig ohne Zuschauer stattfinden. Nach Kritik aus der Politik werden beim Duell zwischen Union Berlin und Bayern München am Samstag (18.30 Uhr/Sky) doch keine Zuschauer im Stadion An der Alten Försterei sein.

Auch RB Leipzig wird sein Heimspiel gegen den SC Freiburg ohne Fans austragen. Am Dienstagabend waren zu Leipzigs Achtelfinalrückspiel in der Champions League gegen Tottenham Hotspur (3:0) noch Zuschauer zugelassen. Am Mittwochabend wird das erste Geisterspiel der Bundesliga-Historie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln angepfiffen.

Ein vorzeitiges Saisonende wie in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sieht DFB-Vizepräsident Rainer Koch nicht, denn "die Situation ist gänzlich unterschiedlich", sagte er dem Bayerischen Rundfunk (BR). Im Eishockey hätte man sich bereits in einer fortgeschrittenen Phase der Saison befunden, "wohingegen sich der Bundesliga-Spielbetrieb noch viel weiter erstreckt, das hat auch wirtschaftlich eine ganz andere Bedeutung für die Bundesligavereine als im Eishockey".

Allerdings werden die kommenden beiden Spieltage der 3. Liga verlegt. Der 28. und 29. Spieltag, die eigentlich in den nächsten beiden Wochen geplant waren, werden demnach frühestens Anfang Mai nachgeholt.

Große Aufregung herrschte derweil in Hannover. Hübers befindet sich zurzeit in häuslicher Quarantäne, der komplette Kader des Zweitligisten sowie das Trainerteam um Kenan Kocak werden vorsorglich auf das Virus getestet.

Kein Kontakt zu Mannschaftskollegen

96 geht allerdings davon aus, dass sich Hübers erst "am Samstagabend bei einer Veranstaltung in Hildesheim infizierte" habe, wie es in einer Vereinsmitteilung hieß. Seit "der Ansteckung, die exakt eingrenzbar ist", soll Hübers "keinen Kontakt zu seinen Mannschaftskollegen" gehabt haben, weshalb "nicht davon auszugehen" sei, dass "sich Mitspieler bei ihm infiziert haben". (sid, 11.3.2020)