Menschenleere Einkaufsstraßen im abendlichen Mailand.

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Premier Giuseppe Conte verkündete am Mittwochabend weitere drastische Verschärfungen.

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Abstandslinien auf dem Mailänder Buozzi-Platz.

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In einer Neapolitaner Bar trägt der Kellner Mundschutz.

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"Alle Geschäfte außer jene, die Produkte des grundlegenden Bedarfs anbieten, bleiben ab morgen geschlossen", erklärte Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte am Mittwoch in einer Liveansprache auf Facebook. Es handelt sich um eine weitere, drastische Verschärfung der bereits zwei Tage zuvor getroffenen Maßnahmen, bei denen das gesamte Land als "Schutzzone" deklariert wurde.

Jetzt gilt Italien laut Conte als "rote Zone". Entsprechend dramatisch war der Auftritt des Regierungschefs am Abend: "Ich danke allen Italienern für die Opfer, die sich nun erbringen müssen. Aber die Gesundheit der Italienerinnen und Italiener geht vor. Wir zeigen, dass wir eine bedeutende Nation sind", erklärte der Premier.

Einkaufszentren geschlossen

Die neuen Maßnahmen bedeuten, dass ab Donnerstag in ganz Italien praktisch nur noch Lebensmittelläden, Apotheken, Tabak- und Zeitungsläden sowie kleinere Supermärkte geöffnet sind. Große Einkaufszentren bleiben ebenso geschlossen wie Restaurants und Bars, die bisher wenigstens noch bis 18 Uhr geöffnet bleiben durften.

Auch Unternehmen, öffentlicher Dienst und Handwerksbetriebe sind von den neuen Maßnahmen betroffen: Was nicht von strategischer Bedeutung ist, reduziert die Produktion oder stellt sie ganz ein. Ausgenommen von den Restriktionen sind einzig die Landwirtschaft, öffentlicher Verkehr sowie Bank-, Post- und Versicherungsdienstleistungen.

Drastische Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus: Alle nicht notwendigen Geschäftsaktivitäten müssten eingestellt werden, kündigte Premierminister Conte an. ORF-Korrespondentin Katharina Wagner berichtet aus Rom.
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"Die wichtigste Regel bleibt: Man geht nur noch aus dem Haus, wenn es unbedingt erforderlich ist", sagte Conte. Der Grund für die neuen Maßnahmen, die das öffentliche Leben, aber auch Teile der Wirtschaft praktisch zum Stillstand bringen werden, sind die weiterhin rasant steigenden Corona-Fälle.

Am Mittwoch wurden 12.462 Nachweise des Virus gemeldet, knapp 2.300 mehr als am Vortag, wie der Zivilschutz mitteilte. Die Zahl der Toten stieg von 631 auf 827. Italien ist europaweit das mit Abstand am stärksten betroffene Land.

Die von der Epidemie am meisten betroffenen norditalienischen Regionen Lombardei und Venetien hatten die Verschärfung der Maßnahmen schon am Tag zuvor gefordert. In den beiden Regionen droht die Intensivmedizin unter dem Andrang der Covid-19-Patienten zu kollabieren. Es ist in Einzelfällen bereits vorgekommen, dass Patienten gestorben sind, weil für sie kein Platz mehr gefunden wurde. Für die neuen Maßnahmen gibt es einen breiten politischen Konsens; auch in der Bevölkerung, die zunehmend verunsichert ist, dürften die neuen Maßnahmen auf Verständnis stoßen. (Dominik Straub aus Rom, 11.3.2020)