Dass seit knapp zwei Monaten ausgerechnet chinesische Restaurants gemieden werden, hat vermutlich soziale Gründe, die nicht allein auf die Infektionszahlen zurückzuführen sind. Italienische Lokale sind nämlich bis auf weiteres nicht übermäßig vom Besucherschwund betroffen. Im STANDARD-Video berichten Betreiberinnen und Betreiber einer italienischen Snackbar und eines chinesischen Restaurants von den Folgen des Coronavirus für die Gastronomie.
DER STANDARD

Über Lebensmittel kann man sich mit dem neuartigen Coronavirus nicht infizieren. Dennoch sollen Restaurants ab Montag ihren Betrieb reduzieren, um Menschenmengen zu vermeiden. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) verkündete das am Freitag als eine der Maßnahmen gegen die rasante Ausbreitung des Virus in Österreich. Es soll nur mehr Mittagstisch bis 15 Uhr angeboten werden. Die chinesischen Restaurants sind bereits seit Ausbruch des Virus geschwächt, weil die Gäste ausbleiben.

Fünf Prozent der chinesischen Restaurants könnten Corona-Krise nicht überstehen

Alle rund 1.300 Chinarestaurants in Österreich zusammen hätten bereits seit Mitte Jänner einen Umsatzrückgang von 50, manche sogar bis zu 80 Prozent, berichtet Maozou Zhu, der Vorsitzende des Vereins chinesischer Kaufleute. Er befürchtet, dass das fünf Prozent von ihnen nicht überleben.

Tim Urban und seine Mutter Chunah Urban-Chao.
Foto: Maria von Usslar

Chunah Urban-Chao führt das Sichuan im Wiener Donaupark schon seit 1989. Inzwischen hilft ihr Sohn bei der Geschäftsführung. Er glaubt, dass sie bei halbem Umsatz nur mehr zwei, drei Monate so weitermachen können. Im Gegensatz zu Innenstadtlokalen, die vom gedrosselten Tourismus abhängig sind, wird das Sichuan stark von seiner Stammkundschaft unterstützt, aber auch das reiche auf Dauer nicht.

Feinkost- und Snackbarbetreiberin Brigitte Pugliese mit ihrem Mann.
Foto: Maria von Usslar

Brigitte Pugliese betreibt seit zehn Jahren das italienische Feinkostgeschäft Casa Caria in Wien-Neubau. Sie und ihr italienischer Mann haben sich hauptsächlich auf Zitrusfrüchte und Olivenöl spezialisiert, bieten aber auch Kaffe und kleine Speisen an. Dafür kommen bis zu fünfmal wöchentlich frische Waren aus Italien. Der Warenverkehr ist derweil stabil, und auch die Gäste lassen sie nicht im Stich. Bei der STANDARD-Recherche haben auch andere italienische Restaurants von keinen auffälligen Einbußen berichtet.

Keine Übertragung des Virus durch Lebensmittel

Von Fleisch, Eiern, Obst, Gemüse oder Wasser geht keine Gefahr aus. Es kann höchstens sein, dass durch Niesen oder Husten auf Besteck oder Geschirr die Viren überleben und eine Schmierinfektion auslösen. Dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung ist allerdings noch kein derartiger Fall untergekommen. Auch für andere Coronaviren sind keine Berichte über Infektionen durch Lebensmittel bekannt.

Die Ages rät allerdings davon ab, rohes Fleisch oder Blut von Wildtieren wie Schlangen oder Fledermäusen zu verzehren, etwas, das in Österreich vermutlich nicht und auch im Sichuan nicht angeboten wird. Dort servieren sie den Österreicherinnen und Österreichern sogenannte "angepasste" chinesische Küche. (Maria von Usslar, Ayham Yossef, 14.3.2020)