Gute Bücher und ein paar Gläser Rotwein können die Quarantäne erträglicher machen.

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Wenig überraschend wirbelt der kleine Corona-Saubär auch die Beziehungen zwischen den Generationen durcheinander. So hat meine ältere Tochter mir angeraten, das Knuddeln mit der Enkelin zu minimieren und für den Fall, dass diese von einem spontanen Knuddelbegehren ereilt wird, auf Distanz zu gehen.

Meine Tochter tut dies vor allem aus Sorge um mich. Zu Recht. Als alter weißer Mann passe ich optimal ins Beuteschema eines Virus, das auf der Suche nach Wirtspersonen mit leicht angerostetem Immunsystem unterwegs ist. Yummie!

Man stelle sich die Sachlage aus der Virenperspektive vor. Da springt man in der Kindergruppe hoffnungsvoll von Kind A auf Kind B, nur um erkennen zu müssen, dass man sich an Kind B die Zähne ebenso ausbeißt wie an Kind A. Extraresistentes Frischfleisch, praktisch nicht zum Derfressen.

Keine triviale Aufgabe

In dieser Situation kommt ein Stück gut abgehangenes Kolumnistenfleisch wie gerufen. Das Virus ist auf Boomer aus, und greise Kolumnisten zählen zu den Ersten, die sich zum Eingeständnis "Je suis Corona" bequemen müssen. Dass das Virus sich seiner eigenen Lebensgrundlagen berauben würde, wenn es mich um die Ecke brächte, scheint ihm dabei nicht bewusst zu sein. Er ist also nicht nur ein darwinistisch inspirierter Wüterich, sondern ein rechter Trottel dazu.

Sich ein knuddelfreudiges Kleinkind vom Leib zu halten ist keine triviale Aufgabe, vor allem dann, wenn dies ohne Körperkontakt bewerkstelligt werden soll. Zweckdienliche Instrumente zur Herstellung der nötigen Distanz wären vielleicht ein paar neu zu erfindende, meterlange Oma- und Opa-Stangen, mit denen man das sich nahende Kind umgehend zur Seite knufft, ehe es sich anschicken kann, einen großflächig mit Viren zu besabbern. Findige Stangenfabrikanten könnten mit diesem Accessoire ein Heidengeld machen. Wir brauchen allerdings keine Stangen, weil wir den Enkelkontakt von nun an weiter drosseln.

Meine Tochter hat mir von einem befreundeten jungen Ehepaar erzählt, das sich seit fast zwei Wochen mit seinem einjährigen Sohn in Quarantäne befindet und von zu Hause aus arbeitet. Sie beschreiben die Situation als "zaach", was ich ihnen aufs Wort glaube. Ein Quantum Gelassenheit, gute Bücher und ein paar Gläser Rotwein können da sehr hilfreich sein. Aber das wissen sie wahrscheinlich eh selber. (Christoph Winder, ALBUM, 14.3.2020)