Heizölhändler haben alle Hände voll zu tun. Trotz zu Ende gehender Heizsaison ist die Nachfrage, bedingt durch den vergleichsweise tiefen Preis von Heizöl, so hoch wie schon lange nicht. Gleichzeitig sitzt den Heizölhändlern das Coronavirus im Nacken.

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Wien – Es ist Mitte März, vergleichsweise warm, dennoch laufen die Telefone bei Heizölhändlern in Österreich heiß. Und immer öfter heißt es: "Geht jetzt leider nichts, versuchen Sie es später wieder."

Grund ist auch, aber nicht nur das Coronavirus. Viele Unternehmen haben die Zahl der Außendienstmitarbeiter reduziert und die Zahl der Fahrten verringert, um einer Ansteckungsgefahr vorzubeugen. Vielfach werden nur mehr die notwendigsten Aufträge erledigt.

Hohe Nachfrage nach billigem Heizöl

Andererseits ist die Nachfrage nach Heizöl so hoch wie schon lange nicht mehr um diese Zeit. Das wiederum hat viel mit der augenblicklichen Preissituation zu tun. Kosteten 100 Liter Heizöl Anfang Jänner österreichweit bei Abnahme von 3.000 Litern aufwärts im Durchschnitt noch mehr als 80 Euro, sind die Preise bis vorige Woche – beeinflusst auch vom Preissturz bei Rohöl — um etwa ein Fünftel auf rund 65 Euro gefallen. Erst seit einer Woche gibt es eine leichte Erholung.

"Wir sind im Moment total überfordert", heiß es beispielsweise bei der Energie Direct MineralölhandelsgesmbH auf Anfrage des STANDARD. "Es gibt genug Heizöl, aber wir kommen mit dem Liefern nicht nach."

"Online-Bestellung derzeit nicht möglich"

Auf der Homepage des Unternehmens, das Shell-Produkte vertreibt, findet sich ein Button, darauf steht: "Online-Bestellung derzeit nicht möglich". Telefonisch werden Kunden, sofern sie nicht zur Stammklientel gehören, auf später vertröstet.

Aufgrund der aktuellen Situation um das Coronavirus und damit verbundenen Einschränkungen durch die Bundesregierung ergäben sich auch Liefereinschränkungen im Bereich Heizöl, ist einem Infoblatt des Heizölhändlers zu entnehmen. "Nachdem der aktuelle Winter gerade zu Ende geht und der nächste noch in weiter Ferne liegt, werden wir ab 16.3. (das war Montag, Anm.) bis auf Widerruf keine endgültigen Liefer- und Preiszusagen für neue Heizölbestellungen garantieren können. Dringend nötige Bestellungen, also 'Notfälle', werden für Sie abgewickelt," heißt es.

Prioritätensetzung

Es bestehe kein Grund zur Sorge: "Es gibt genug Heizöl, und jeder Kunde wird vor dem nächsten Winter versorgt werden. Auch Sie werden Ihren Bedarf noch vor der nächsten Kälteperiode erhalten. Bitte haben Sie dafür Verständnis."

Zur Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens und der gemeinsamen Grundbedürfnisse müssten Energielieferanten Prioritäten setzen und all jene vorrangig versorgen, die nun Vorrang hätten. Dazu gehörten Transporte, Landwirtschaft, Tankstellen, Gewerbe, Industriebetriebe und andere wichtige Versorgungsbetriebe. Sobald sich diese Ausnahmesituation entspannt habe, werde man dies wissen lassen. (Günther Strobl, 17.3.2020)