Foto: AP /Frank Augstein

Pro
von Michael Möseneder

Eines der wenigen Argumente, das gegen eine männliche Kopfbedeckungsnutzung sprechen könnte, hat bereits Hägar der Schreckliche widerlegt. Den warnte seine Gattin Helga: "Wenn du immer einen Helm trägst, werden dir die Haare ausfallen!" Worauf der Comic-Wikinger antwortete: "Wenn ich immer einen Helm trage, wird es nie jemand bemerken."

Sicher, die Zeiten haben sich geändert, und Metallgegenstände zieren nur mehr selten das Haupt. Aber neben der eleganten Möglichkeit, mit einem Borsalino oder einem ecuadorianischen Panamahut gewisse lokale Defizite der Hornfäden auf der Kopfhaut zu kaschieren, bieten Hüte noch viele andere Vorteile.

Sie sind ein Schutz vor Sonne und Regen, eignen sich umgedreht zur Aufbewahrung diverser Gegenstände und verleiten Menschen zur sozialen Interaktion. Sei es eine hämische oder anerkennende Bemerkung – eine Haube oder Baseballkappe lösen niemals Reaktionen wie die auf einen Hut aus. Einziges Manko: Viele wollen das Ding auch probieren, man muss also ziemlich reaktionsschnell sein.

Kontra
von Margarete Affenzeller

Vorausgesetzt, man ist weder die Queen noch Michael Möseneder, macht ein Hut im Leben überhaupt keinen Sinn. Die Kopfbedeckung wärmt kaum und dient auch der Verschönerung nur unter ganz großem Risiko. Der Hut verursacht in Wahrheit nur Probleme! Als unfreiwillige Hutbesitzerin kann ich davon ein Lied singen. Brauner Hut mit Fasanenfeder passt de facto nie zu irgendetwas.

Tragische Züge nimmt das Huttragen beim Hutabnehmen an. Wohin mit ihm? In der Bahn wird er, sofern es noch eine Hutablage gibt, vergessen oder vom sperrigen Gepäck irgendwelcher Snowboard-Hooligans zerdepscht. Im Auto hat er die schlimmsten Verunglimpfungen zur Folge ("Fahrer mit Hut"), auf dem Fahrrad und am Strand wird er weggeweht, im Büro nur Objekt der Begierde seltsamer Leute.

Ich habe versucht, den inneren Crocodile Dundee in mir herauszukehren oder auf Udo Lindenberg zu machen. Geht nicht. Der Hut taugt lediglich in Redewendungen – auf der Hut sein, gut behütet sein, den Hut nehmen und vor allem: mit ihm nichts am Hut haben. (RONDO exklusiv, 20.3.2020)