Bei "Cum-Ex"-Geschäften handelten Aktienhändler mit Ansprüchen hin und her – am Ende wurden Steuern rückerstattet, die gar nicht gezahlt worden waren.

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Bonn – Die als sogenannte Cum-Ex-Deals bekannte Mehrfacherstattung von Steuern ist nach Ansicht des Landgerichts Bonn als Straftat zu werten. Das hat das Bonner Landgericht am Mittwoch im deutschlandweiten ersten Strafprozess um die umstrittenen Geschäfte entschieden, indem es die Angeklagten zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt hat.

Durch "Cum-Ex" ist dem deutschen Staat ein Schaden in Milliardenhöhe entstanden. In Österreich wurde im Frühjahr 2019 der hiesige Schaden von Cum-Ex-Geschäften schrittweise von der damaligen ÖVP-FPÖ-Bundesregierung bekanntgemacht worden. Schlussendlich nannte der damalige Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) einen Schaden von insgesamt 183 Mio. Euro.

Mittäterschaft

Bisher hatten die deutschen Gerichte zwar bereits die Geschäfte als steuerrechtlich unzulässig eingestuft. Die Frage, ob sie auch strafbar sind, war bisher noch nicht gerichtlich geklärt. Die im Bonner Prozess angeklagten britischen Aktienhändler wurden wegen Mittäterschaft beziehungsweise Beihilfe zur Steuerhinterziehung in besonders schwerem Fall zu relativ milden Haftstrafen verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt werden – nämlich zu einem Jahr und zehn Monaten sowie zu einem Jahr. Damit entspricht das Gericht weitgehend den Anträgen der Staatsanwaltschaft.

Die Privatbank M.M. Warburg, die in die Geschäfte involviert war, muss nach dem Willen des Gerichts als sogenannte Einziehungsbeteiligte im Prozess gut 176 Mio. Euro Steuerschulden zahlen. Dass der Fall vor den Bundesgerichtshof in Karlsruhe geht, gilt als wahrscheinlich.

Bei "Cum-Ex"-Geschäften handelten Aktienhändler rund um den Dividendenstichtag Aktien mit ("cum") und ohne ("ex") Ausschüttungsanspruch zwischen mehreren Beteiligten hin und her. Am Ende war dem Fiskus nicht mehr klar, wem die Papiere gehörten. Finanzämter erstatteten Kapitalertragsteuern, die gar nicht gezahlt worden waren. (APA, 18.3.2020)