Telefonieren am Klo, das Büro im begehbaren Kleiderschrank oder das Bügelbrett als Schreibtisch – im Forum des STANDARD berichten die Userinnen und User, wie sie sich im Homeoffice räumlich organisieren. Schnell ist klar: Viele sind auf das Arbeiten daheim nicht vorbereitet, denn die Wohnungen sind oft zu klein, die Grundrisse offen und nicht gemacht für Privatsphäre, schon gar nicht, wenn man nicht allein lebt.

Die Arbeits- und Architekturpsychologin Christina Kelz-Flitsch weiß, dass die ersten Tage im Homeoffice ein Veränderungsprozess sind. "Viele müssen sich erst an die Situation gewöhnen und herausfinden, wie man sich am besten arrangiert", sagt sie. Man dürfe nicht damit rechnen oder sich gar stressen, wenn nicht alles von Anfang an reibungslos funktioniert. Wichtig seien klare Regeln für sich selbst und Mitbewohnern.

Gut eingerichtete Arbeitsplätze machen die Sache einfacher. So ist etwa aus Studien bekannt, dass in kreativen Berufen Weite nützlich sein kann, also etwa hohe Decken und ein Ausblick oder ein Arbeitsplatz auf dem Balkon. "Die Menschen können dann freier denken", so Kelz-Flitsch. Wer hingegen Dinge abarbeiten und sich konzentrieren muss, der sollte sich in eine geschützte Nische zurückziehen.

Daheim konzentriert zu arbeiten, ist nicht leicht, vor allem nicht, wenn man sich an einen kleinen Küchentisch quetschen muss.
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Das Licht am Arbeitsplatz kommt im Idealfall von der Seite und nicht von hinten, der Tisch steht besser mittig im Raum – als Barriere zum Rest des Zimmers. Wir Menschen haben gern die Tür im Blick, weiß die Expertin: "Das hat mit unserem archaischen Sicherheitsbedürfnis zu tun, da können wir uns dann auch besser konzentrieren."

Was noch hilft: Mehrmals am Tag die Position wechseln, etwa vom Schreibtisch aufs Fensterbrett oder in ein leer geräumtes Fach im Bücherregal und dort im Stehen arbeiten. Für eine konkrete Aufgabe, etwa Lesen, dürfe man sich zwischendurch auch ins Bett legen oder auf die Couch setzen, so Kelz-Flitsch. Die Abwechslung entlastet den Körper, vor allem, da die meisten daheim keine ergonomischen Möbel haben dürften.

Übrigens sollte man auch im Homeoffice regelmäßig lüften, Pausen machen und aus dem Fenster ins Grüne blicken: "Das ist das Beste, um mentale Ressourcen aufzuladen", so die Psychologin. Ist das nicht möglich, kann auch ein Landschaftsbild diesen Effekt erzeugen. Zusätzlich trägt zur Motivation bei, wenn im Homeoffice Belege davon hängen, was man im Leben schon erreicht hat – beispielsweise das Uni-Diplom oder die Marathon-Urkunde.

Ein so großes Homeoffice wie der kanadische Premier Justin Trudeau dürfte nicht jeder haben.
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Wer auf ganz kleinem Raum, etwa in einer Einzimmerwohnung, lebt, sollte versuchen, den Arbeitsbereich klar abzutrennen – ihn etwa so orientieren, dass man beim Arbeiten nicht Richtung Bett schaut, oder ein Bücherregal als Raumtrenner verwenden. Beides gilt auch überall, wo das Schlafzimmer gleichzeitig als Büro genutzt wird, so Kelz-Flitsch. Was den meisten noch bekannt vorkommen dürfte: Unordnung hält davon ab, konzentriert arbeiten zu können. Daher: erst aufräumen!

Kollegen fehlen

Vielen dürfte es noch schwerfallen, sich daheim zu arrangieren, wie der Blick ins Forum zeigt. Die User vermissen ihre Kollegen, die Ruhe und die zwei Bildschirme im Büro, außerdem beklagen sie die Tischhöhe und Sitzmöbel im Homeoffice. Ein User schreibt von Mitbewohnern, die während Videokonferenzen durchs Bild laufen, ein anderer beklagt, dass er nun am "Katzentisch" arbeiten muss, und ein dritter tut sich schwer, daheim diszipliniert bei der Arbeit zu bleiben. Die meisten stört vor allem, dass dadurch Arbeit und Freizeit vermischt werden, das Zuhause so zu einem weniger schönen Ort wird.

Dabei hat das Homeoffice auch einige Vorteile, so Kelz-Flitsch: Daheim hat man die Möglichkeit, das Arbeitsumfeld nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten. Das sehen auch die User ein: Einer bezeichnet sein Homeoffice als Pyjamaparty, ein anderer findet den Kaffee daheim sowieso besser, und wieder ein anderer freut sich, dass man jetzt nicht mehr bügeln muss, weil es eh keiner sieht. Da kann also auch das Bügelbrett getrost als Schreibtisch dienen. (Bernadett Redl, 21.3.2020)