Die Spargelernte steht an, nur ist keiner da, um zu stechen.
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Bald sprießt der Spargel, nur die Arbeitskräfte könnten fehlen, um ihn in zwei Wochen zu stechen. Im niederösterreichischen Marchfeld, im Eferdinger Becken in Oberösterreich, mancherorts auch in der Steiermark brennt der Hut. Die steirischen Krenbauern etwa werden die Nächsten sein, die ihre Feldfrüchte aus der Erde holen – ohne Erntehelfer wird das schwierig.

Rund 5.000 Stecher, Pflücker und Brocker fehlen den Betrieben, bestätigte am Freitag Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Der Bedarf wird in der kommenden Erntesaison noch steigen. Um dem Arbeitskräftemangel zuvorzukommen, wurde eine Vermittlungsplattform aufgesetzt.

Gesucht werden dort vor allem junge Leute ohne Betreuungspflichten, etwa Studenten. Hier gibt es Sondervereinbarungen mit der Vetmed und der Boku, die Aushilfe in den Landwirtschaftsbetrieben kann als Praktikum angerechnet werden. Dass Zivildiener auf die Felder geschickt werden, schließt Köstinger hingegen aus. Diese würden im Gesundheits- und Pflegesektor zum Einsatz kommen.

Fleischverarbeitende Industrie betroffen

Noch "brennender" wird die Situation in der fleischverarbeitenden Industrie. Dort sucht man händeringend nach 9.000 Schlüsselkräften, die über die Plattform vor allem durch Gastronomieangestellte mit entsprechender Ausbildung ersetzt werden sollen.

Sorgt sich um "verfaulende Lebensmittel": Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger.
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Zu guter Letzt wollen die heimischen Lebensmittel auch an Herrn und Frau Österreicher geliefert werden – hier bedarf es zusätzlicher Lkw-Fahrer. Bezahlt wird von den Betrieben nach den gängigen Kollektivverträgen. Bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten erhalten die Landwirte Hilfe aus dem 38-Milliarden-Paket der Regierung.

Ausländische Arbeitskräfte

Betroffen vom Arbeitskräftemangel ist auch Werner Brugner, Direktor der steirischen Landwirtschaftskammer, der selbst einen kleinen Spargelbetrieb sein Eigen nennt. "Die Sorge bei den Bauern ist groß", sagt Brugner. "Manche kommen ohne die Erntehelfer, die etwa aus Polen, Slowenien oder Ungarn sind, nicht aus."

Es sei eine komplizierte Gemengelage aus Ein-, Aus- und Durchreisebeschränkungen – und Angst. Die Lage ändere sich stündlich. So sei der Zufluss aus Ungarn quasi abgerissen, die Polen dürfen wieder durch Deutschland durchreisen. Stand jetzt. Brugner wisse von Betrieben, die üblicherweise slowenische Erntehelfer beschäftigen. Die seien samt und sonders gleich gar nicht erschienen.

Die Angst vor der Ansteckung geht auch in anderen Ländern um. Seine eigenen Söhne, der eine Student, der andere Musiker, würden derzeit am Hof aushelfen. Ganz sicher werde man aber auch beim Arbeitsmarktservice vorstellig werden, immerhin gebe es ja auch die tausenden neu dazugekommenen Arbeitslosen.

Ab-Hof-Verkauf boomt

Der Salzburger SPÖ-Landesgeschäftsführer Hannes Mathes, der selbst eine kleine Landwirtschaft mit ein paar Milchkühen in Bad Ischl betreibt, meint, dass man als kleiner Bauer jetzt Vorteile habe. "Wir helfen zusammen, das war aber auch schon vor der Krise so." Mathes ist gerade damit beschäftigt, Mist auszuführen, gemeinsam mit anderen Landwirten aus der Gegend.

Er geht davon aus, dass die Krise dazu führt, dass die Direktvermarktung für mehr Bauern eine Alternative wird. "Das wird zunehmen und ist auch eine Chance." Beim Bauernbund kann man das bestätigen: "Der Absatz verdoppelt und verdreifacht sich mancherorts", kommt man dort aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Umsatzeinbußen

Andernorts fehlen die Umsätze. Milch sowie Schweine- und Rindfleisch leiden unter einem Preisverfall. Exporte von veredelten Produkten wie etwa Käse sind stark im Sinken begriffen. Und "Ausg’steckt" ist auch nicht mehr: Die Landwirte beklagen den Verlust ihrer Nebeneinkünfte, bei der Buschenschank und im Tourismus fließt kein Geld mehr.

Das Wetter würde dazu einladen, aber "ausg'steckt" ist momentan nicht: Vermissen Sie den Heurigenbesuch?
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Rund 55 Prozent der Landwirtschaft werden laut Bauernbund im Nebenerwerb geführt. Das sind Betriebe, in denen das Betriebsleiterehepaar weniger als 50 Prozent der Arbeitszeit für landwirtschaftliche Tätigkeiten aufwendet. Das heißt im Umkehrschluss, dass Bereiche wie die Almausschank und Urlaub am Bauernhof für sie von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung sind. "Hier trifft es den Westen besonders hart", heißt es vonseiten des Bauernbundes dazu.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten

Ein Lied vom Verlust des Nebenerwerbs kann Markus Musser aus Freundorf im Tullnerfeld singen. Er hat dort einen Heurigen im Familienbetrieb, "und der macht leider den Großteil unserer Umsätze aus", wie der Landwirt erzählt. Auch er hat inzwischen mit dem lokalen Gemüsehändler einen Lieferservice aufgesetzt, der den wirtschaftlichen Verlust aber nur zum Teil auffangen kann.

Den Preisverfall spürt Musser, der Mangalitzaschweine hält, hingegen nicht – im Gegenteil: "Die Ferkelpreise sind gestiegen, irgendwo gibt es wohl einen Lieferengpass." Auch der Arbeitskräftemangel betrifft die kleinen Familienbetriebe in der Gemeinde kaum: "Wir können das alles selber bewerkstelligen", ist der Landwirt zuversichtlich. (Regina Bruckner, Tobias Kachelmeier, 20.3.2020)