Irgendwann werden wir wieder mit Freunden in der Sonne im Gras liegen oder im Park sitzen, bis dahin gilt der Mindestabstand von einem Meter.

AP/Martin Meissner

Wenn man sich sozial distanziert, wird man vieles neu entdecken. Zum Beispiel, dass der Staub unter den Heizkörpern schon lange da ist. Und dass das gesamte Haus gegenüber sich in der Liebe zum selben Trend ergeht und die eigenen und die fremden Schlafzimmerfenster immer noch keine Vorhänge haben.

Man winkt einander zaghaft zu. Beim Pyjamawechsel. Um sechs Uhr am Abend grölen sie aus den Fenstern, und die Polizei greift hart durch und schlägt mit Fendrich zurück.

Die Kultur schwappt durchs Netz, was einerseits schön ist, weil völlig neue Erlebnisebene, und schiach, weil die Kunstschaffenden oft genug nix dafür bekommen.

Die Kinder sind den ganzen Tag zu Hause und die Eltern auch: eine permanente unendliche Familienaufstellung ohne Aufstellungsleiter.

Leere Straßen und Mundharmonikamusik

Manche wollten lieber allein sein als in schlechter Gesellschaft und kommen drauf, dass sie jetzt immer noch in schlechter Gesellschaft sind. Wenn man aus dem Fenster sieht, schweift das Auge über unnatürlich leere Straßen, der Wind treibt alte Klopapierrollen über die Gassen und diese Mundharmonikamusik – nein, falscher Film.

Zur Auswahl stünden Katastrophe oder Zombieapokalypse. Besser zu Hause bleiben und den Staub von den Radiatoren wischen: Auch das geht vorüber. Und man wird wieder in der Sonne im Gras liegen. Mit Freunden. (rab, 22.3.2020)