Die Technologie von gestern ist eher nicht das richtige Mittel, um uns in die Zukunft zu bringen.
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Berlin – Zwar wird der Verzicht auf den fossilen Brennstoff Kohle heute vor allem im Kontext von Klimaschutzmaßnahmen diskutiert. Doch hätte ein ein globaler Kohleausstieg auch in anderen Bereichen positive Konsequenzen. Ein solcher Ausstieg rechne sich "bei weitem", wenn man Faktoren wie Gesundheit oder Artenvielfalt miteinbezieht, sagt Sebastian Rauner vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

"Insbesondere haben wir zwei Arten von Umweltkosten betrachtet: Die Kosten für die menschliche Gesundheit, maßgeblich verursacht durch Atemwegserkrankungen, und den Verlust an biologischer Vielfalt, gemessen an den Kosten für die Renaturierung derzeit bewirtschafteter Flächen", sagt Rauner, der eine aktuelle Studie über die erwartbaren Konsequenzen eines Ausstiegs geleitet hat. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal "Nature Climate Change" vorgestellt.

Kühle Kohlekalkulation

Die Kosten des Klimaschutzes bestehen laut der maßgeblich auf Computersimulationen gestützten Studie hauptsächlich aus einem möglicherweise verringerten Wirtschaftswachstum und zusätzlichen Investitionen in das Energiesystem. Aber: "Die Kosteneinsparungen durch verringerte Schäden an Gesundheit und Ökosystemen überkompensieren die direkten wirtschaftlichen Kosten eines Ausstiegs aus der Kohleverstromung deutlich", sagt der Leiter der PIK-Energieforschungsgruppe, Gunnar Luderer.

Für das Jahr 2050 errechneten die Experten eine Netto-Ersparnis von etwa 1,5 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung oder "370 Dollar für jeden Menschen auf der Erde". In vielen Ländern, beispielsweise in Indien und China, könnte ein Großteil der Vorteile demnach bereits 2030 spürbar werden.

"Könnte Wahlen gewinnen"

Die Experten wiesen darauf hin, dass China und Indien nicht nur einen Großteil ihrer Energienachfrage mit Kohle abdecken, sondern beide auch gleichermaßen unter massiver Luftverschmutzung leiden. "Für die Bürgerinnen und Bürger einer indischen oder chinesischen Millionenmetropole macht es einen großen Unterschied, welche Luft sie atmen, und für die Bauern, wie intakt die Ökosysteme sind. Diese Vorteile sind direkt und vor Ort spürbar", so Rauner.

Es sei daher "nicht unwahrscheinlich, dass der Ausstieg aus der Kohleförderung die Unterstützung der Bevölkerung und schließlich Wahlen gewinnen kann". Daher lohne es sich für Staaten auch dann, aus der Kohle auszusteigen, wenn Nachbarländer dies nicht täten.

"Regierungen sollten in internationalen Klimaverhandlungen den Kohleausstieg als eine günstige Möglichkeit erkennen, die globalen Treibhausgasemissionen erheblich zu reduzieren und gleichzeitig im eigenen Land enorme Vorteile zu erzielen", betonten die Forscher. Die Studie zeige, "dass nationale und globale Interessen nicht notwendigerweise Gegensätze sind, sondern Hand in Hand gehen können".

Thema Klima

Auch in der neuen Studie wird aber auf den Klima-Kontext nicht vergessen. Klar sei, "dass die Welt nicht unter der Zwei-Grad-Grenze bleiben kann, wenn wir weiterhin Kohle verbrennen." Die Forscher beziehen sich dabei auf die bisher vorliegenden nationalen Verpflichtungen zur Verringerung der Emissionen im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens.

"Wenn jedoch alle Länder den Kohleausstieg einleiten würden, kämen wir dem Ziel weltweit um 50 Prozent näher", heißt es in der Studie weiter. Für kohleintensive Volkswirtschaften wie China und Indien würde ein Ausstieg aus der Kohle die Lücke bis 2030 sogar um 80 bis 90 Prozent schließen. Dabei müsse allerdings ein Ausweichen auf andere fossile Brennstoffe wie Öl oder Erdgas vermieden werden. Dafür seien neben dem Kohleausstieg weitere flankierende Maßnahmen notwendig. (APA, red, 23.3.2020)