Bei der Voest gehen die Aufträge zurück.

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Wien – Nach der Stilllegung von Autowerken deutscher Hersteller war es nur eine Frage der Zeit: Am Montag hat nach Andritz und Magna auch die Voestalpine bekanntgegeben, Corona-Kurzarbeit anmelden zu wollen. Die Nachfrage in den wichtigsten Kundensegmenten sei "innerhalb weniger Tage eingebrochen", teilte der Stahl- und Verarbeitungskonzern am Montag nach Börsenschluss mit. Darum werde in rund 50 europäischen Konzerngesellschaften Kurzarbeit angemeldet, neben Österreich auch in Deutschland, Belgien und Frankreich. Wie stark die Voest die geförderte Kurzarbeit tatsächlich nutzen wird, soll von Fall zu Fall anhand der Auslastung entschieden werden.

Bereits angemeldet wurde Kurzarbeit laut STANDARD-Informationen für 800 Mitarbeiter im Böhlerwerk in Waidhofen, bei Rotec in Krieglach (300 Mitarbeiter) und weitere 200 Beschäftigte von Voestalpine Automotive in Linz.

Nachfrage sinkt

In Ländern ohne Kurzarbeitsmodelle wird der Konzern andere Maßnahmen ergreifen. Einige Standorte unter anderem in Frankreich, Italien, Peru, Brasilien oder den USA stehen bereits temporär still. Man werde um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen, ließ Voestalpine-Generaldirektor Herbert Eibensteiner wissen. Aber wenn Kunden die Nachfrage stark reduzierten und Produktionen einstellten, müsse man sofort reagieren.

Um 20 Prozent reduziert wird auch die Roheisenkapazität in Linz, ein kleinerer Hochofen wird heruntergefahren. Der Konzern sieht sich angesichts der Corona-Pandemie "vor der größten wirtschaftlichen Herausforderung des vergangenen Jahrzehnts", sagte Eibensteiner. Betriebsbedingte Kündigungen seien "aus heutiger Sicht in Österreich nicht geplant". Die Zahl der Leasingmitarbeiter werde aber weiter reduziert, Überstunden und Urlaube abgebaut.

Auch Pankl reduziert

Der Produktionsbereich werde zusätzlich abgesichert, betonte Voestalpine: Hygienevorschriften und Sicherheitsabstände wurden erweitert, die physische Anwesenheit auch in betriebskritischen Bereichen reduziert.

Auch der steirische Auto- und Flugzeugzulieferer Pankl hat seine rund 1.100 Mitarbeiter in Kapfenberg und Bruck an der Mur für drei Monate zur Kurzarbeit angemeldet. Nach Ostern will man teilweise wieder starten.

Für rund 3.000 Arbeiter in der Produktion hat BMW in Steyr Kurzarbeitsbeihilfe beantragt (inklusive Leiharbeiter) für einen Zeitraum von einem Vierteljahr. Bis 6. April ist die Produktion weitgehend heruntergefahren, ausgenommen von Kurzarbeit ist die Fertigung von Gehäusen für E-Autos. Der Vorarlberger Leuchtenhersteller Zumtobel führt Kurzarbeit ebenfalls an mehreren Standorten ein. "Situationsabhängig" könne es zu vorübergehenden Schließungen von Werken kommen, teilte Zumtobel mit.

Post prüft

Seit Ausbruch der Coronavirus-Krise in Österreich wurden bereits 25.000 Beschäftigte zu Kurzarbeit angemeldet, Tendenz stark steigend, hieß es am Montag in Sozialpartner-Kreisen – darin seien wohl die 3.000 Mitarbeiter von KTM inkludiert, nicht aber Andritz (3.800), BMW und Magna (7.000 Mitarbeiter). Mit ihnen wären es rund 40.000 Betroffene.

Die Post stimmt ihre Aktionäre auch auf Umsatzeinbußen ein, geprüft werde partielle Kurzarbeit und Urlaubsabbau. Die AUA stellt ihren Flugbetrieb länger ein. Bis 19. April bleiben alle Maschinen auf dem Boden, rund 7.000 Mitarbeiter müssen auf Kurzarbeit, auch Führungskräfte seien betroffen, hieß es. (ung, red, Reuters, 24.3.2020)