Huawei und die USA: Keine Liebesbeziehung.

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Es wirkte zuletzt schon fast so, als hätte sich Huawei mit dem Handelsbann der USA abgefunden: Neue Geräte werden zwar ohne Google-Dienste ausgeliefert, das Unternehmen versucht aber App-Hersteller mit viel Aufwand dazu zu bringen, eigene Alternativen zu nutzen. Kurzfristig erwarte man deswegen einen Rückgang der eigenen Smartphone-Absätze, langfristig sei man aber davon überzeugt, dass diese Strategie aufgehen werde, versichert das chinesische Unternehmen derzeit bei jeder Gelegenheit.

Ausweitung

Dabei gibt es nur ein Problem: Die USA hat natürlich kein Interesse daran, dass sich die Situation von Huawei wieder stabilisiert. Entsprechend erwägt die US-Regierung derzeit laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, neue Auflagen gegen den chinesischen Hardwarehersteller zu verhängen. Und dabei scheint man es sehr gezielt auf neuralgische Punkte abgesehen haben, an denen Huaweis Geschäft von anderen Unternehmen abhängig ist.

Die USA will offenbar sämtlichen Chipherstellern, die US-Technologien in ihrer Produktion einsetzen, die Zusammenarbeit mit Huawei verbieten – und das sind schlichtweg alle. So nutzt etwa auch die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company, der größte Halbleiterfertiger der Welt, Ausrüstung von US-Firmen wie Applied Materials und Lam Research. Dazu kommt noch, dass andere Hardware durch US-Patente geschützt ist.

Hintergrund

Huawei gehört – wie Apple, AMD oder auch Intel – ebenfalls zu den TSMC-Kunden. Die Huawei-Tochter Hisilicon, die auch die Chips für Huawei-Smartphones liefert, lässt dort fertigen. Sie macht alleine angeblich zehn Prozent der Einnahmen von TSMC aus.

Auswirkungen

Ein solcher Bann würde Huawei jedenfalls hart treffen. Zwar ist davon auszugehen, dass das Unternehmen für bestehende Smartphones einen ausreichenden Lagerstand an Chips hat, um eine zeitlang durchzukommen. Für neue Chipgeneration stünde man aber dann plötzlich ohne Fertiger da.

Offene Fragen

Abzuwarten bleibt allerdings, ob US-Präsident Trump die verschärften Auflagen auch tatsächlich unterschreibt. Immerhin hat sich dieser auch bei diesem Thema im vergangenen Jahr als unberechenbarer Faktor erwiesen. So hatte er bereits mehrfach ein nahendes Ende des US-Handelsbanns angekündigt, umgekehrt war auch schon von anderen geplanten Verschärfungen zu hören. Im Endeffekt hat sich aber seit dem Vorjahr nichts Substantielles an der Lage verändert.

Riskantes Spiel

Für die USA wäre solch eine Maßnahme zudem ein ziemlich riskantes Spiel. Immerhin könnte dies dazu führen, dass TSMC und andere Auftragsfertiger nach und nach von US-Technologien unabhängige Produktionsstätten aufbauen. Dies würde zwar sicherlich einige Zeit dauern, das Endergebnis wäre aber, dass der Bann irgendwann einmal unwirksam wird – und gleichzeitig US-Firmen wie Applied Materials damit geschadet wurde. (apo, 27.3.2020)