Das Geschäft mit Stalkerware blüht. Der Antivirenanbieter Kaspersky Lab zählte 2019 rund 380 verschiedene Varianten dieser Spionage-Apps für Smartphones, ein Drittel mehr als im Jahr zuvor.

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Konzerne und staatliche Stellen sind heute die üblichen Verdächtigen, wenn es um Überwachung und Missbrauch persönlicher Daten geht. Private Geheimnisse herauszufinden war jedoch schon immer auch die Leidenschaft vieler Menschen, nicht nur der Geheimdienste und Boulevard-Journalisten, sondern auch eifersüchtiger Partner, besorgter Eltern und neugieriger Kollegen und Chefs im Büro. Für all diese sind Smartphones ein Jackpot, wenn sie Gelegenheit finden, darin zu schnüffeln.

Dagegen ist der wichtigste Schutz ein vernünftiger Sperrcode, der nicht aus dem bewährten "1234", "0000", dem eigenen Geburtsdatum oder dem der Kinder besteht. Diesen Code gelegentlich zu wechseln und im Familien-, Kollegen- und Freundeskreis nicht preiszugeben ist eine Mindestvorsicht.

Eine der einfachsten Formen privater Überwachung ist die Freigabe des Standorts und damit die Möglichkeit, Besitzerin oder Besitzer zu verfolgen. Dazu braucht das Handy nur ein paar Minuten unbeaufsichtigt anderen Menschen zugänglich sein. Im Menü von Google Maps kann der Standort für andere freigegeben werden, auf Apples iPhone ermöglicht dies die App Wo ist?. Häufig bleibt dies unbemerkt. Erscheint die Standortfreigabe noch ein relativ simpler Weg zur Kontrolle von Kindern und Partnern, so ist die Installation sogenannter Stalkerware bereits echte Hardcore-Kontrolle. Dabei werden auf dem Handy einer anderen Person Apps installiert, die Auskunft über deren Aktivitäten geben.

Überwachung verschleiert

Meist verschleiert Stalkerware mit einem legitimen Zweck, dass sie ein geheimes Überwachungsinstrument ist: etwa, um Kinder lokalisieren zu können. Oder um ein verlegtes, verlorenes oder gestohlenes Handy finden zu können. Oder mit Fern-Unterstützung (Remote Control) bei der Einrichtung eines Handys zu helfen oder ein Problem zu lösen. Manche App-Entwickler scheuen hingegen nicht davor zurück, ihren Zweck zu bewerben: "Die Swipebuster-App findet heraus, ob dich dein Partner auf Tinder betrügt", um nur ein Beispiel zu nennen.

Das Geschäft mit Stalkerware blüht. Der Antivirenanbieter Kaspersky Lab zählte 2019 rund 380 verschiedene Varianten dieser Spionage-Apps für Smartphones, ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. Dazu gehören Apps wie Fone-Monitor, mSpy oder Mobile Spy Agent, mit denen die Kommunikation am verwanzten Handy über eine Monitorseite laufend kontrolliert werden kann: Telefonverbindungen, ein- und ausgehende Nachrichten, welche Apps benutzt werden, GPS-Standorte, Browserverlauf ... was das eifersüchtige Herz (und der Scheidungsanwalt oder eine bösartige HR-Abteilung) an Auskunft begehrt.

Rührend mutet da die App Couple Tracker an, eine Art digitale Abschreckungswaffe für eifersüchtige Paare: Auf beiden Handys installiert, werden die Anrufe und Nachrichten des anderen angezeigt, damit sie sich von ihrer Treue überzeugen können. Natürlich kann der Einsatz legitime Zwecke verfolgen. Arbeitgeber, die um Vertraulichkeit ihrer Arbeit, Daten und ihr Urheberrecht besorgt sind, setzen Spyware zur Kontrolle ein, damit Mitarbeiterhandys nicht zu unerwünschten Spionagetools werden.

Der korrekte Weg zur Kontrolle besteht hingegen in sogenannten Managed Devices: Smartphones, die vom Arbeitgeber ausgegeben und von der IT-Security-Abteilung verwaltet werden. Der Vorgang ist transparent, wird den Mitarbeitern erklärt und sollte mit dem Betriebsrat abgestimmt sein. Auf solchen Geräten wird der Datenverkehr geschützt, und es können nur Apps installiert werden, die von der Firma freigegeben sind. (28.3.2020)