Der Regierungschef im Krisenmodus: Leid, Krankheit und Tod als Begleiter.

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Die Corona-Krise stellt auch die Welt von Journalisten auf den Kopf. Normalerweise auf schlechte Nachrichten konditioniert, streiche ich in diesem Fall Hiobsbotschaften am liebsten eilig aus dem Kopf. Vielen anderen Menschen wird es ähnlich gehen: Prophezeien Ökonomen einen weniger tiefen Wirtschaftseinbruch als beim letzten Finanzcrash, erklären Virologen schärfere Ausgangsbeschränkungen für nicht sinnvoll, dann macht das Mut und Hoffnung. Die pessimistischen Ausblicke hingegen verursachen nur Sorgen, Stress und schlechten Schlaf.

Sebastian Kurz zählt zu jenen, die wenig zur Gemütsaufhellung beitragen. Der Kanzler spricht von Leid, Krankheit und Tod, malt auf jeden Silberstreif, der am Horizont auftaucht, dunkle Wolken. Jene Zahlen, die von einem gebremsten Anstieg der Infektionen künden, wertet er als wenig valide ab, die Aussicht auf eine Normalisierung nach Ostern trübt er mit viel Wenn und Aber. Mit dem gewohnten Zustand von früher werde die Situation noch lange nichts zu tun haben, sagt Kurz. Es sei damit zu rechnen, dass die Schulen bis zum Sommer geschlossen bleiben.

Schwieriger Balanceakt

Es ist ein schwieriger Balanceakt, den Kurz zu meistern hat. Einerseits darf ein Regierungschef nicht Depression und Angst verbreiten. So ernst die Lage auch sein mag, der Kanzler muss stets eine Perspektive auf Besserung eröffnen. Das Gefühl der Hoffnungslosigkeit wäre Gift für Moral und Durchhaltewille der Allgemeinheit.

Andererseits ist aber auch demonstrativer Optimismus gefährlich. Bleibt im Ohr der Bevölkerung die frohe Botschaft über, nach Ostern sei ohnehin das Gröbste ausgestanden, droht die Disziplin zu erodieren. Wer die Gefahr für gebannt hält, lässt sich rasch zu Torheiten hinreißen, wie sie in diesen Tagen schon beim heimlichen Anstoßen mit Freunden in den eigenen vier Wänden beginnen. Doppelter Schaden ist angerichtet, wenn sich die Verheißungen in der Folge als falsch entpuppen. Das Vertrauen, dass die Regierung die Lage unter Kontrolle hat, wäre untergraben – was erst recht Verzweiflung nährt.

Mit seiner voreiligen Absage an Ausgangssperren hat sich Innenminister Karl Nehammer anfangs einen solchen Schnitzer geleistet, doch in Summe argumentiert die Koalition ausgewogen und stringent. Es ist gut, dass Kurz nicht auf die düstere Note verzichtet. Denn jedes Opfer, das sich die Bürger jetzt abringen, kann sich in einer rascheren Rückkehr zum normalen Leben bezahlt machen. (Gerald John, 30.3.2020)