Im Juli 2016 besuchte Rosneft-Chef Igor Setschin (links) Venezuela.

Foto: Reuters/Miraflores Palace

Moskau – Der größte russische Ölkonzern Rosneft zieht sich aus Venezuela zurück. Das teilte das Unternehmen am Samstagabend in Moskau mit. Die Tochterfirma in dem südamerikanischen Land soll demnach verkauft und alle Geschäfte eingestellt werden. Konzernsprecher Mikhail Leontiew erklärte, man müsse die Interessen der Aktionäre schützen.

Russland als Verbündeter des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro will aber weiter in dem krisengeschüttelten Land aktiv bleiben. Nach Angaben der Regierung in Moskau wird statt Rosneft ein nicht näher genanntes Staatsunternehmen neuer Eigentümer an dem Unternehmen, wie die russische Staatsagentur Tass meldete.

Tanker fuhren leer ab

Drei große von den Russen gecharterte Tankschiffe mit einer Gesamtkapität von 5,7 Millionen Barrel (gut 900 Millionen Liter), die seit Wochen vor der Küste des lateinamerikanischen Landes auf Ladung gewartet hatten, verließen am Samstag leer die venezolanischen Gewässer.

Angesichts fallender Ölpreise und sinkender sind Lagerkapazitäten derzeit begehrt, viele Ölproduzenten verwenden Tankschiffe als schwimmende Öltanks.

US-Sanktionen gegen Handelstochter

Rosneft war bisher einer der letzten und größten ausländischen Investoren in Venezuela. Dessen Handelstochter mit Sitz in der Schweiz wurde zuletzt von den USA mit Sanktionen belegt. Zwar soll Venezuela über die größten Erdölreserven der Welt verfügen, aber der Staatskonzern PDVSA wurde über Jahrzehnte heruntergewirtschaftet und die Fördermenge ist stark zurückgegangen.

Rosneft hielt Anteile an fünf Öl- und Erdgasfeldern, gewährte PDVSA Milliarden schwere Kredite und war der Hauptabnehmer für venezolanisches Erdöl. Zudem importierte der russische Konzern Benzin nach Venezuela. Der Kreml hatte zuletzt nach neuen US-Sanktionen betont, Venezuela weiter zu unterstützen. (red, APA, 27.3.2020)