Gefangene Mitglieder der Taliban nach einem Interview mit der Associated Press in Kabul.

Foto: AP / Rahmat Gul

Kabul – Der Gefangenenaustausch zwischen den militant-islamistischen Taliban und der afghanischen Regierung ist erneut verschoben worden. "Morgen gibt es keine Freilassung von Gefangenen", twitterte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Jvid Faisal, am Montag.

Eigentlich hatten sich beide Seiten in einer Videokonferenz vor wenigen Tagen auf einen Kompromiss geeinigt. Demnach hätten bis zum 31. März zunächst 100 Taliban freigelassen werden sollen. Dies war aus humanitären Gründen entschieden worden, hatte der Nationale Sicherheitsrat am Donnerstag angekündigt. Auch die Taliban wollten Gefangene freilassen. Die militante Gruppe wolle aber in den nächsten Tagen ein Team für Vorgespräche nach Kabul schicken, schrieb Faisal weiter. Der Gefangenenaustausch war bereits mehrfach aufgeschoben worden.

Taliban lehnen Verhandlungsteam der Regierung ab

Seit Wochen herrscht Stillstand zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban. Die Freilassung von bis zu 5.000 Gefangenen war als Vorbedingung für innerafghanische Friedensgespräche in das Abkommen aufgenommen worden, das die USA mit den Taliban am 29. Februar unterzeichnet hatten. Die Gefangenen gelten laut Experten als das Hauptdruckmittel der Regierung in Kabul, die Taliban zu Gesprächen zu bringen. Derweil geht der Konflikt im Land weiter.

Streit gibt es zudem über die jüngst vorgestellten Unterhändler der afghanischen Regierung. Die Taliban reagierten abweisend auf das 21-köpfige Team, das vom ehemaligen Leiter des Nationalen Sicherheitsdirektoriums, Masoum Staneksai, angeführt wird. "Wir werden nur zu Gesprächen mit einem Verhandlungsteam zusammenkommen, das unseren Vereinbarungen entspricht und nach den festgelegten Grundsätzen zusammengestellt ist", sagte Talibansprecher Zabiullah Mujahid in einer Erklärung am Samstag. (APA, 30.3.2020)