Ein nahezu leerer Strand in der Stadt Hollywood in Florida.

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800 Tote mehr als am Vortag zählten die USA am Mittwoch nach Zählungen der Nachrichtenagentur Reuters. Fast die Hälfte der Todesopfer gibt es im Bundesstaat New York zu beklagen. Den Höhepunkt der Pandemie in den Vereinigten Staaten sagt die Coronavirus-Koordinatorin des Weißen Hauses, Deborah Birx, in den kommenden zwei Wochen voraus: Das amerikanische Volk müsse sich auf einen Anstieg der Todesfälle auf 100.000 bis 240.000 Menschen in den kommenden Monaten einstellen, prognostizierte Birx. Aktuell gebe es keinen Impfstoff und keine Therapie, weshalb es einzig "unser Verhalten" sei, dass "den Verlauf dieser viralen Pandemie in den nächsten 30 Tagen verändern" könne. Auch US-Präsident Donald Trump betonte, dass es "absolut entscheidend" sei, "die Richtlinien für die nächsten 30 Tage zu befolgen. Es ist eine Frage von Leben und Tod."

Die US-Regierung hat unterdessen mit dem Aufbau von hunderten behelfsmäßigen Krankenhäusern in der Nähe ihrer Großstädte begonnen. "Dies ist der Punkt, an dem wir auf die nächste Woche vorbereitet sein müssen, weil wir mit einem enormen Anstieg der Fallzahlen rechnen", sagte der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio. Er sprach aus dem Billie Jean King National Tennis Center in Queens, das zum Feldlazarett umfunktioniert wurde. Das Tenniszentrum ist normalerweise der Austragungsort der US Open, die in diesem Jahr wie geplant am 24. August stattfinden sollen. Der Demokrat De Blasio sagte, er habe das Weiße Haus um weitere 1.000 Krankenschwestern, 300 Atemtherapeuten und 150 Ärzte bis Sonntag gebeten. Zuvor wurde schon das Kongresszentrum der Stadt New York binnen einer Woche in ein 1.000-Betten-Krankenhaus umgewandelt.

341 temporäre Krankenstationen

Nicht nur in dem von der Coronavirus-Pandemie besonders stark betroffenen Bundesstaat New York mit der Metropole NYC im Nordosten der USA rüstet das Militär derzeit eine Reihe von Hotels, Kongresszentren und große Freiflächen um: Landesweit werden so aktuell 341 temporäre Krankenstationen geschaffen, erklärte Generalleutnant Todd Semonite dem Sender ABC am Dienstag.

ABC News

Keine größere Stadt dürfte verschont bleiben, allerdings zeichnet sich schon jetzt ein höherer Anstieg in jenen Bundesstaaten, die nur zögerlich Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus getroffen haben. Eine koordinierte Reaktion der Bundesstaaten sieht das föderal strukturierte politische System der USA nicht vor. So unternahm die US-Regierung in Washington die ersten Schritte gegen die Verbreitung der Krankheit, nachdem einige Städte und Bundesstaaten bereits mit eigenen Regelungen vorgeprescht waren. In 30 von 50 Bundesstaaten herrscht laut der US-Zeitung "Politico" aktuell eine teils unterschiedlich gelebte Form von Ausgangssperre. Wo früher etwas im Kampf gegen das Virus unternommen wurden (zum Beispiel Ohio), ist die Lage momentan jedenfalls besser als dort, wo lange nichts passiert ist (etwa Missouri).

"Im April werden alle hart getroffen werden", sagte Scott Gottlieb, von 2017 bis 2019 Direktor der Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde (FDA), auf Twitter voraus.

Es sei davon auszugehen, dass zahlreiche Epizentren in mehreren urbanen Lebensräumen im ganzen Land entstehen würden, die zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen würden. Große Probleme zeichnen sich derzeit allen voran in der Stadt New Orleans und im gesamten Bundesstaat Florida ab. New Orleans zog noch am 25. Februar die öffentlich zelebrierten Mardi-Gras-Faschingsfeiern durch, was sich inzwischen in den Infektionsfällen niederschlägt: Über 100 Coronavirus-Tote wurden bereits allein in der Stadt unweit des Golfs von Mexiko am Mississippi verzeichnet.

Springbreak fand statt

In Florida, dem südöstlichsten Bundesstaat der USA, hingegen sagte der republikanische Gouverneur Ron DeSantis die mit Vorliebe im sonnigen Bundesstaat stattfindenden Springbreak-Semesterfeiern mit zeitlicher Verzögerung ab. Zehntausende Studentinnen und Studenten strömten anschließend von den Stränden in Südflorida nach Hause. Damit trugen sie dazu bei, das neuartige Coronavirus quer durchs ganze Land zu verbreiten. Zudem droht dem von zahlreichen Pensionisten bewohnten Bundesstaat Florida nun eine Katastrophe, schließlich trifft die Covid-19-Erkrankung ältere Menschen in der Regel härter als junge.

In Texas beschloss der republikanische Gouverneur Greg Abbott erst am Dienstag (Ortszeit) Maßnahmen der sozialen Distanzierung im gesamten Bundesstaat. Er hatte bis dahin gehofft, dass sich das Virus im sehr dünn besiedelten Texas nicht flächendeckend ausbreiten würde. Er irrte: Mehr als die Hälfte aller Bezirke (Counties) verzeichnete schon Infektionen. (giu, 1.4.2020)