Gesundheitsminister Yaakov Litzman: Ging trotz Verbot in Synagoge, jetzt positiv getestet
Foto: AP Photo/Ariel Schalit

Es ist für viele der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. "Was braucht es noch?", fragt ein Twitter-User, und über tausend seiner Follower "gefällt das". Der Zorn richtet sich gegen den israelischen Gesundheitsminister. Yaakov Litzman, der einer ultraorthodoxen Sekte angehört. Er wurde vergangene Woche in der Synagoge gesehen – und das, obwohl sein eigenes Ministerium den Besuch von Bethäusern wegen des hohen Ansteckungsrisikos untersagt hatte.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass Litzman positiv getestet wurde. Der 71-Jährige befindet sich seither in Isolation – und hat zu verantworten, dass vom Mossad-Chef über den derzeit nicht gerade unterbeschäftigten Generaldirektor des Gesundheitsministeriums bis hin zum Premierminister wichtige Führungspersonen der Verwaltung in Quarantäne mussten. Am Freitag hagelte es Rücktrittsaufrufe. Zudem drang eine Anekdote über einen Vorfall an die Öffentlichkeit, der sich vor zwei Wochen am Rande der konstituierenden Sitzung des Parlaments abgespielt hat. Alle dort anwesenden Minister und Abgeordneten wurden einer Fiebermessung unterzogen. Bis auf Litzman – er verweigerte den Test.

Synagogen weiter offen

Der Gesundheitsminister ist mit dafür verantwortlich, dass sich das Virus in den ultraorthodoxen Gemeinden rasant ausbreiten konnte. Als im ganzen Land die Schulen zusperrten, blieben die Synagogen weiter offen, die Betenden sitzen dort oft eng aneinandergedrängt auf kleinem Raum. Das Ergebnis zeigt sich in den Corona-Stationen der Spitäler: Rund die Hälfte der Patienten sind Ultraorthodoxe, ihr Anteil an der Bevölkerung macht hingegen nur zwölf Prozent aus.

Premier Benjamin Netanjahu wurde am Donnerstag erneut negativ getestet. Der Rückzug in die Quarantäne dürfte ihm im Verhandlungspoker mit Benny Gantz in die Hände spielen: Gantz' Regierungsbildungsauftrag ist mit einem Ablaufdatum versehen und verliert in eineinhalb Wochen seine Gültigkeit. Gut möglich, dass Netanjahu dann selbst das Heft in die Hand nimmt. Die Rechts-außen-Partei Yamina macht bereits Druck: Sollte Netanjahu eine Koalition ohne sie bilden, würde sie ein Antikorruptionsgesetz unterstützen, das einem Angeklagten das Regieren verbietet. (Maria Sterkl, 3.4.2020)