Ryanair-Chef Michael O'Leary ist nicht dafür bekannt, dass er seine Crews mit Samthandschuhen angreift. Bei Laudamotion in Wien geht es um Kurzarbeit – oder Massenkündigung.

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Die Auseinandersetzung um Kurzarbeit bzw. andernfalls Massenkündigungen bei der Billigfluglinie Laudamotion ist um eine Facette reicher. Die Tochter der irischen Ryanair hat am Freitag die Vorsitzende des Betriebsrats des fliegenden Personals von geplanten Kündigungen der in Wien stationierten Piloten (laut Laudamotion mehr als 300 Leute) und des Kabinenpersonals informiert, insgesamt geht es um rund 560 Leute. Die Anmeldung der Kündigungen zum Frühwarnsystem hatte die Fluglinie quasi als Backup erstattet, für den Fall, dass es mit der Kurzarbeit nicht klappen sollte.

Der Verständigung des Betriebsrats war am 3. April die Entscheidung des Arbeitsmarktservice (AMS) Schwechat vorangegangen, den Antrag des Unternehmens auf Kündigungsanmeldung im Frühwarnsystem zurückzuweisen. Denn dafür braucht es die Einbindung des Betriebsrats – und die hat gefehlt. Laudamotion hat den Betriebsrat ja bisher nicht anerkannt und als nicht existent betrachtet. Das AMS geht laut seinem Bescheid an Laudamotion vom 1. April jedoch sehr wohl davon aus, dass der Betriebsrat existent sei.

Keine Alternative

Von der Information an den Betriebsrat hat Airlinechef Andreas Gruber die Belegschaft am am Freitagnachmittag per Mail berichtet, begründet hat er das sinngemäß mit dem Versagen der Gewerkschaft Vida. Diese habe den Antrag auf Kurzarbeit blockiert, weil nicht unterschrieben. Man habe daher keine andere Möglichkeit, als dem AMS die Unterlagen zur Kündigungsanmeldung erneut zu schicken. Zur Erinnerung: Die staatlich geförderte Kurzarbeit muss von den Sozialpartnern (Wirtschaftskammer und Gewerkschaft) abgesegnet werden.

Allerdings hat Vida die Zustimmung zum Kurzarbeitsplan am 1. April bereits unterschrieben und die Wirtschaftskammer ist auch einverstanden damit. Fast alle betroffenen rund 560 Beschäftigten hatten den neuen Verträgen zuvor individuell zugestimmt. Die Arbeitsmarktbehörde will von Laudamotion jetzt nur noch exaktere Angaben zu den Arbeitszeiten der Piloten. Die haben gemäß internationalen Standards sehr komplex geregelte Maximalarbeitszeiten, und bei Anträgen auf staatlich geförderte Kurzarbeit müssen diese Zeiten ganz genau und nachvollziehbar berechnet werden. Das ist nach Ansicht des AMS aber nicht geschehen.

Rasche Klärung gefordert

Wie es nun weitergeht? Vida fordert das Unternehmen laut einem Brief an die Belegschaft ihrerseits auf, "umgehend die offenen Punkte zur Arbeitszeit zu klären und die fehlenden Unterlagen für die Kurzarbeitsförderung beim AMS einzubringen". Damit wäre alles erledigt und der Weg zur Kurzarbeit frei. Eigentlich müsste das klappen, denn Laudamotion beteuerte in ihrem Schreiben an die Mitarbeiter, "alles zu tun, um die Kurzarbeit für die Wiener Crew sicherzustellen." Die rund 50 Mitarbeiter des Bodenpersonals sind bereits in Kurzarbeit.

All dem gehen arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen voraus, die bald nach der Übernahme der einstigen Fluggesellschaft Niki Laudas durch die Iren im Jahr 2019 begonnen hatten. Zuvor, 2018, hatte ja Lauda seine einstige und insolvente Airline Niki von der pleite gegangenen Air Berlin Gruppe zurückgekauft, was die Politik als "österreichische Lösung" gefeiert hatte. In der Folge verkaufte Lauda zunächst einen Minderheitsanteil an die Iren, Anfang 2019 übernahmen die dann auch den Rest.

Niki Lauda (er ist im Vorjahr gestorben) und Ryanair-Chef Michael O'Leary im März 2018, beim Einstieg der Iren.
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Keine Samthandschuhe

Die von Michael O'Leary geführte, börsenotierte Ryanair, größte Billigfluglinie Europas und bislang bestens aufgestellt, ist nicht berühmt dafür, ihre Mitarbeiter und Crews oder auch Konkurrenz mit Samthandschuhen anzufassen, ganz im Gegenteil. Bei der aus der Pleite gekommenen und verlustträchtigen Tochter in Wien lief das nie anders, ob es nun um die Vertragsgestaltung ging, um Gehälter, die Ankündigung, billigere Leihpiloten aus Polen in Wien einzusetzen oder um die Betriebsratswahlen im vorigen Herbst, die Arbeitgeber Laudamotion als nichtig ansieht und gerichtlich bekämpft.

Auch jetzt, anlässlich der geplanten Massenkündigung, zogen die Airliner nicht den Glacéhandschuh an und nahmen sich auch kein Blatt vor den Mund. Jenen Laudamotion-Mitarbeitern, die das Fliegen noch lernen (sie haben einen befristeten Trainingsvertrag) schrieben die Chefs am 27. März, dass man zutiefst bedaure, das Training wegen der Maßnahmen, die zum Grounding aller Airlines geführt haben, stoppen zu müssen. "Daher werden Sie mit Wirkung vom 31. März von der Gehaltsliste der Lauda entfernt", hieß es knapp. Als "Geste des guten Willens" werde man auf die Rückzahlung der entstandenen Ausbildungskosten aber verzichten. Man hoffe auf Fortsetzung der Ausbildung nach der Krise.

Mutter Ryanair auf Kostenbremse

Die irische Ryanair selbst fliegt nun, in der Krise, durch Turbulenzen. Das Geschäftsjahr hat gerade begonnen, das alte wird mit einem Gewinn von um die eine Milliarde Euro enden. O'Leary sagte am Freitag, dass Prognosen gerade sehr schwierig seien, beruhigte aber, dass das Unternehmen zuletzt Barmittel von 3,8 Milliarden Euro in der Kassa habe und mit 327 Maschinen drei Viertel der Flugzeugflotte unbelastet und schuldenfrei seien. Bei Laudamotion wurde zuletzt mit einem Jahresverlust von um die 90 Millionen Euro gerechnet.

Freilich hat das Management von Ryanair tiefe Einschnitte verfügt, um zu sparen. Ab sofort werden für April und Mai alle Gehaltszahlungen um die Hälfte gekürzt, auch die der Manager. In allen EU-Ländern bemühe man sich um Lohnersatzregelungen und Kurzarbeit, gab das Unternehmen nun bekannt.

Laudamotion nicht bei AMS-Termin

In Wien bzw. Schwechat, am Hauptsitz der Laudamotion, bemüht man sich nun eben auch darum. Zum per Videoschaltung abgehaltenen Termin mit dem AMS am 1. April sind die Laudamotion-Manager allerdings nicht gekommen, über den Grund dafür gibt es verschiedene Darstellungen. Laudamotion-Chef Gruber argumentiert in seinem Schreiben an die Mitarbeiter vom Freitag, man sei erst 17 Minuten vor Beginn des Treffens darüber informiert worden. Die andere Seite sagt, die Einladung zum Videomeeting am Mittwoch, den 1. April um 14 Uhr sei bereits am Montag erfolgt. 17 Minuten vorher habe man die Einwähl-Einladung ausgeschickt. Als trotz Setzung einer Nachfrist bis 14.45 Uhr niemanden von Laudamotion da gewesen sei, habe das AMS den Termin um 14.46 Uhr beendet.

Auch die Sprache der Laudamotion ist im Bescheid der Arbeitsmarktbehörde übrigens kurz Thema. Sie merkt darin an, dass die Amtssprache Deutsch sei. Laudamotion bevorzugt für seine Eingaben beim AMS allerdings das Englische. (Renate Graber, 4.4.2020)