Die Maskenpflicht wird in Österreich ausgewietet.

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Seit Montag trägt auch Bundeskanzler Sebastian Kurz bei öffentlichen Terminen eine einfache Schutzmaske.

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Innsbruck/Linz/Wien – Seit Montag ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in den Supermärkten verpflichtend. Ab 14. April, wenn die ersten kleinen Geschäfte wieder aufsperren dürfen, wird die Maskenpflicht auch auf diese sowie alle öffentlichen Verkehrsmittel ausgedehnt. Wer keine Maske besitzt, kann auch ein Tuch oder einen Schal verwenden, erklärte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Für Masken bleiben "die Supermärkte auch weiter die Distributionskanäle", und diese können ihren Selbstkostenbeitrag verrechnen, sagte Kurz.

Außerdem wird es Kontrollen und Organstrafen in der Höhe von 50 Euro für diejenigen geben, die sich nicht daran halten. Schließlich sei das Ziel, einige Freiheiten zu schaffen, das funktioniere aber nur durch Einhaltung von Begleitmaßnahmen, wie das Tragen des Mund-und-Nasen-Schutzes, sagte Kurz: "Ich habe vollstes Vertrauen, dass die Österreicher sich innerhalb einer Woche eine Schutzmaske, einen Schal oder ein Tuch organisieren können."

Maskenpflicht auch im öffentlichen Verkehr

Auch in Öffis sind "Fahrgäste aufgerufen, Mund und Nase zu bedecken", sagt eine Sprecherin der Wiener Linien: "Wir werden das verstärkt kommunizieren, und darauf hinweisen – mit allen Kanälen und auch den Mitarbeitern vor Ort." Selbst kontrollieren, ob sich alle daran halten, werden die Wiener Linien nicht.

"Der Bereich der Strafen selbst liegt bei der Polizei", heißt es. Auch Masken wird der Öffibetreiber nicht selbst austeilen. "Diese Bedeckung ist so ausgelegt, dass man nicht nur Masken verwenden darf." Seit Montag händigen die Wiener Linien Masken an alle Mitarbeitern aus. Auch die hausinterne Uniformschneiderei sei dabei, Mehrwegstoffmasken anzufertigen.

Untaugliche Masken aus China

Im medizinischen Bereich, wo gewissen Standards bei Schutzmasken vorgeschrieben sind, wird seit längerem versucht, Engpässen vorzubeugen. Etwa durch Lieferungen aus China. Am 23. März 2020 landeten, medial begleitet, zwei AUA-Maschinen mit 130 Tonnen Schutzmaterial an Bord in Wien. Die Ladung hatte das Land Südtirol mit Unterstützung des dortigen Sportartikelherstellers Oberalp organisiert. Die Lieferung kostete Berichten zufolge zehn Millionen Euro. Doch laut dem Südtiroler Medium Salto.bz waren die Masken fehlerhaft und daher unbrauchbar.

Ein Teil dieser Lieferung – 600.000 Schutzmasken sowie 2000 Schutzanzüge – ging im Rahmen der Kooperation zwischen Nord- und Südtirol auch an heimische Spitäler. Die Tirol Kliniken bestätigen dies, aber merken an, dass diese Masken nicht benutzt werden: "Wir werden unseren Mitarbeitern sicher keine unzureichende Schutzausrüstung zur Verfügung stellen."

Dass die Masken aus dieser Lieferung nicht für den medizinischen Einsatz brauchbar sind, bestätigt auch das Bundesheer, das das Material im Auftrag Südtirols getestet hat. Auch die deutsche Prüfgesellschaft Dekra soll Tests durchgeführt und Mängel entdeckt haben, verweigert aber unter Verweis auf die Verschwiegenheitspflicht Auskunft dazu.

Oberösterreichischer Anbieter wartet auf Antwort

Angesichts der oben beschriebenen Zustände erscheint es durchaus ungewöhnlich, dass heimische Maskenanbieter zwar über zertifizierte Ware in entsprechender Stückzahl verfügen, letztlich aber bei den entscheidenden Stellen mitunter auf taube Ohren stoßen. So versucht etwa eine oberösterreichische Vertriebs-GesmbH, die anonym bleiben möchte, seit geraumer Zeit vergeblich mit entsprechenden Stellen – Bundesbeschaffungs Gmbh, Innenministerium, Gesundheitsministerium, dem Krisenstab in Oberösterreich – in Kontakt zu treten. "Es ist einfach zum Verzweifeln, aber es ist scheinbar unmöglich, den richtigen Entscheidungsträger zu erreichen", ärgert sich der geschäftsführende Gesellschafter im STANDARD-Gespräch.

Auch telefonisch werde man "im Kreis geschickt" und keiner fühle sich zuständig: "Wir haben mittlerweile vier konkrete Angebote mit Liefergarantie für FFP1- und FFP2-Schutzmasken sowie die nötigen Schutzanzüge ohne Vorauskasse gestellt." Nach Tagen kam die Antwort per E-Mail: "Danke für ihre Bereitschaft, wir melden uns im Bedarfsfall." "Da muss man sich fragen, wann dann der Bedarfsfall eintritt, wenn nicht jetzt?", kritisiert der Unternehmer, der auch den kassenärztlichen Verband Saarland beliefert. (ars, mro, ook, 6.4.2020)