Der Starliner an der Spitze einer United Launch Alliance Atlas 5-Rakete kurz vor dem missglückten Testflug im Dezember des Vorjahres.
Foto: AP/Terry Renna

Washington – Am 20. Dezember 2019 absolvierte das von Boeing konstruierte bemannte und wiederverwendbare Raumschiff CST-100 Starliner seinen ersten unbemannten orbitalen Testflug, bei dem die Kapsel auch an der Internationalen Raumstation ISS andocken sollte. Der Versuch ging allerdings daneben, was Boeing gegenüber dem Konkurrenten SpaceX deutlich in Hintertreffen geraten ließ. SpaceX absolvierte bereits im März 2019 mit seiner für bemannte Missionen vorgesehenen Raumfähre Crew Dragon einen erfolgreichen Testflug zur ISS.

Immerhin gelang die Rückkehr: Der Starliner nach der Landung am 22. Dezember in White Sands, New Mexico.
Foto: AP/Bill Ingalls/NASA

61 Mängel

Die Ursachen für Boeings Scheitern klingen vergleichsweise banal: Nachdem der Starliner von der Atlas-Oberstufe abgekoppelt hatte, bewirkten gleich mehrere Programmierfehler der Steuerungssoftware, dass eine große Menge Treibstoff verschwendet wurde und die Kapsel damit ihre vorgesehene Umlaufbahn nicht erreichen konnte. Manuelle Eingriffe der Bodenkontrolle verhinderten zwar einen Verlust des Raumschiffs, doch ein Andocken an der ISS war nicht mehr möglich. Umfangreiche Überprüfungen brachten in den vergangenen Monaten insgesamt 61 Mängel ans Licht.

Aufgeben kommt für das US-Unternehmen jedoch nicht in Frage. Wie Boeing in der Nacht zum Dienstag erklärte, soll der Test wiederholt werden. "Wir haben uns entschieden, den Test erneut zu fliegen, um die Qualität des Starliner-Systems unter Beweise zu stellen", hieß es.

Die Crew Dragon von SpaceX könnte schon in wenigen Wochen Astronauten zur ISS transportieren.
Illustr.: SpaceX

Testzeitpunkt unklar

Ein Datum für den neuen unbemannten Testflug wurde zunächst nicht mitgeteilt, den ursprünglichen Zeitplan kann das Unternehmen freilich nicht einhalten: Mit dem Raumschiff sollten eigentlich bereits dieses Jahr Astronauten zur ISS gebracht werden. Konkurrent SpaceX dagegen könnte trotz Coronakrise bereits im Mai erstmals wieder Menschen von amerikanischem Boden aus zur Raumstation fliegen. (red, APA, 7.4.2020)