Bernie Sanders (rechts) zieht sich aus dem Rennen um die US-Präsidentschaft zurück, der Weg für Joe Biden ist damit frei.

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Washington – Der verbliebene Gegner von Ex-Vizepräsident Joe Biden im Rennen um die demokratische Kandidatur für die US-Präsidentschaft, Bernie Sanders, hat sich am Mittwoch aus dem Rennen zurückgezogen. Das ist einem Statement seiner Wahlkampagne zu entnehmen.

Sanders hatte dem Vernehmen nach seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeit bereits am Vormittag über den Schritt informiert. Ein Schreiben, aus dem Nachrichtenagenturen zitieren, ist mit dem Logo seiner Wahlkampagne und dem Zitat "Die Kampagne endet. Der Kampf um Gerechtigkeit geht weiter" versehen.

Mandela-Zitat zum Abschied

In einem Statement aus seinem Eigenheim in Burlington, Vermont, dankte er den zwei Millionen US-Amerikanerinnen und -Amerikanern, die seine Kampagne finanziell unterstützt hatten. "Wir haben zusammen das amerikanische Bewusstsein dafür verändert, was für eine Art Land die USA sein können", sagte er.

Sanders wandte sich in einem sehr persönlichen Video an seine Anhängerinnen und Anhänger. Die Rede beginnt in etwa bei Minute 22.
Bernie Sanders

Sanders zitierte auch Nelson Mandela, der gesagt hatte, dass Dinge nur so lange unmöglich erscheinen, bis sie umgesetzt werden. Alle politischen Ziele – etwa Krankenversorgung, Bildung für alle und gerechte Löhne – könnten dann umgesetzt werden, wenn man nicht deshalb nicht für sie kämpfe, weil man sie für unmöglich halte. "Wenn wir nicht glauben, dass wir das Recht haben, in einer Welt ohne Rassisimus, Sexismus, Homophobie, Xenophobie und religiöse Bigotterie zu leben, werden wir weiterhin riesige Einkommensunterschiede haben, Vorurteile, Hass, Haft für die Massen, verängstigte Einwanderer und hunderttausende US-Amerikaner, die im reichsten Land der Welt auf der Straße schlafen müssen". Dass andere Ziele nun erreichbar erscheinen, sei ein Verdienst seiner Kampagne, so Sanders.

Kein Weg zur Nominierung

Die Corona-Krise habe gezeigt, wie absurd die aktuelle US-Krankenversicherung angesichts riesiger Arbeitslosigkeit sei. Beteuerungen jener, die bisher gesagt hatten, dass die Versicherung idealerweise vom Arbeitgeber zu bestreiten sei, "klingen jetzt sehr hohl".

"Ich wünschte, ich könnte bessere Nachrichten verbreiten", kam Sanders dann zum Kern seines Statements. Aber angesichts seines Rückstandes im Rennen um Delegierte habe er erkennen müssen, dass es Zeit sei, seine Kampagne zu suspendieren. Man habe das ideologische Rennen gewonnen, aber jenes um die Delegierten verloren. Er wisse, dass er Anhänger habe, die sich wünschen würden, dass er weiterkämpfe, so Sanders. Aber er müsse sich in der Corona-Krise auf seine Aufgaben im Senat konzentrieren. "Ich kann nicht mit gutem Gewissen meine Anstrengungen einem Rennen widmen, das ich nicht mehr gewinnen kann."

Sanders gratulierte auch Joe Biden, der "ein sehr anständiger Mann" sei. Die Anstrengungen müssten nun dem Kampf gegen Donald Trump, "dem gefährlichsten Präsidenten aller Zeiten", gelten.

Zuvor Aufforderungen zum Rückzug

Sanders' Rückzug war in den vergangenen Wochen auch von einigen ehemaligen Verbündeten in der Demokratischen Partei gefordert worden. Der linke Senator aus Vermont hatte am Super Tuesday Anfang März, an dem zahlreiche US-Bundesstaaten ihre Vorwahlen abhielten, deutlich gegen Biden verloren. Danach verlor er auch die Rennen in Michigan und Florida.

Folgende Wahlen waren wegen der Corona-Krise verschoben worden. Eine mögliche Aufholjagd Sanders' wurde dadurch deutlich erschwert.

Sanders vertritt seit Jahrzehnten eine klar linke Agenda. Der Senator aus Vermont kämpft unter anderem für eine Krankenversicherung für alle und für eine stärkere Besteuerung von Reichen. Einige seiner Positionen waren bei den Demokraten anfangs verschrien, sind dort inzwischen aber etabliert.

Kritiker werfen ihm dennoch vor, zu radikal zu sein. Sanders hatte sich bereits bei der Wahl 2016 um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bemüht, unterlag damals bei den Vorwahlen aber seiner Konkurrentin Hillary Clinton. Diese verlor dann überraschend gegen den politischen Quereinsteiger Donald Trump. Obwohl Sanders sich hinter Clinton gestellt hatte, blieben viele seiner enttäuschten Anhänger der Wahl fern oder wählten sogar Trump. Unmittelbar nach Bekanntwerden von Sanders' Rückzug am Mittwoch beteuerten viele seiner Unterstützer in den sozialen Medien, sie würden "niemals Biden" wählen.

Trump gewinnt an Popularität

Sowohl Sanders als auch Biden hatten wegen der Gesundheitskrise und der Ausgangsbeschränkungen selbst die Verschiebung der Vorwahlen gefordert. Außerdem hatten beide – schon vor den Maßnahmen der US-Regierung – Wahlveranstaltungen mit vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wegen der Ansteckungsgefahr abgesagt.

Die US-Wahl findet am 3. November statt. Dass sie trotz der Corona-Krise stattfinden wird, gilt bisher als wahrscheinlich – eine Verschiebung würde eine Änderung der US-Verfassung notwendig machen. Trump hatte trotz der harten Kritik an seinem Krisenmanagement zuletzt an Unterstützung hinzugewonnen. Allerdings schlagen sich seine gestiegenen Zustimmungsraten noch nicht auf die Wahlumfragen gegen Biden nieder. In den meisten landesweiten Umfragen liegt der Ex-Vizepräsident weiter deutlich vor Trump.

Biden hat seinen bisherigen Rivalen indes gelobt und um dessen Unterstützer geworben. Sanders habe nicht nur einen wichtigen Wahlkampf geführt, sondern erfolgreich eine politische Bewegung geschaffen, die weiter großen inhaltlichen Einfluss haben werde, erklärte der frühere Vizepräsident am Mittwoch.

Trump warb in einem Tweet um die Unterstützerinnen und Unterstützer Sanders'. Er danke Elizabeth Warren dafür, dass sie bis zum Super Tuesday im Rennen geblieben sei und Sanders damit den Weg zum Sieg gekostet habe. "Die Bernie-Leute sollten zur Republikanischen Partei wechseln, HANDEL!", hielt der US-Präsident fest. (Manuel Escher, 8.4.2020)