Linkshändigkeit ist bei manchen schnellen Ballspielen ein Vorteil. Daher sind beispielsweise beim Baseball an der Weltspitze linkshändige Werfer mit über 30 Prozent vertreten.

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Was führt dazu, dass manche Menschen ihre linke Hand etwa für feinmotorische Aufgaben bevorzugt einsetzen? Klar ist bisher nur, dass Linkshändigkeit mit der Dominanz der rechten Gehirnhemisphäre in Verbindung steht. Ob die Händigkeit letztendlich eine angeborene Veranlagung ist, konnte bisher jedoch nicht einwandfrei beantwortet werden. Eine Studie der Universität Wien hat allerdings vor einigen Jahren zumindest bei Männern auf einen möglichen hormonellen Zusammenhang hingewiesen: Die Untersuchung mit 13.000 Menschen aus Österreich und Deutschland ergab, dass ein Geburtsdatum im November, Dezember oder Jänner bei Männern Linkshändigkeit begünstigt.

Auch die tatsächliche Verteilung von Linkshändern in der Bevölkerung war bisher unsicher, die Angaben reichten von zehn bis 15 Prozent. Nun aber konnte die bis dato weltgrößte Untersuchung zu diesem Thema exaktere Werte ermitteln. Ein Forschungsteam der Universitäten St. Andrews, Athen, Oxford, Bristol und Bochum Studien hat dazu Studien zur Händigkeit von insgesamt mehr als zwei Millionen Menschen ausgewertet. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift "Psychological Bulletin" veröffentlicht.

Fast 2,4 Millionen Teilnehmer

Die Häufigkeit der Linkshändigkeit beschäftigt verschiedenste Forschungsbereiche von der Kognitiven Neurowissenschaft bis hin zu Evolutionsforschung. Hunderte empirische Untersuchungen drehten sich um diese Frage; eine groß angelegte, umfassende Überprüfung der Häufigkeit gab es aber nie.

Für die aktuelle Studie zogen die Forscher fünf Metaanalysen heran, in die die Daten von insgesamt 2.396.170 Personen eingingen, die in Studien verschiedene manuelle Aufgaben hatten erledigen müssen. "Wie häufig Links- und Rechtshändigkeit jeweils sind, hängt dabei auch davon ab, wie streng die Kriterien dafür sind, die die Autoren anlegen", erklärt Sebastian Ocklenburg von der Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität Bochum (RUB).

Bei Verwendung der strengsten Kriterien sind 9,34 Prozent der Probandinnen und Probanden linkshändig. Bei Verwendung weniger strikter Kriterien sind 18,1 Prozent nicht rechtshändig. "Die beste Gesamtschätzung liegt bei 10,6 Prozent Linkshändigkeit", so Ocklenburg.

Verschiedene Hände für unterschiedliche Aufgaben

Normalerweise wird die Händigkeit davon abhängig gemacht, mit welcher Hand jemand schreibt. Bei der aktuellen Studie berücksichtigte das Forschungsteam aber die Tatsache, dass etwa neun Prozent der Menschen verschiedene Hände für verschiedene Aufgaben verwenden. Das sorgte für genauere Ergebnisse. "Der Anteil der Menschen, die verschiedene Hände für unterschiedliche Aufgaben nutzen, ist den Daten zufolge fast genauso groß wie der Anteil linkshändiger Menschen", unterstreicht Koautorin Silvia Paracchini von der School of Medicine in St. Andrews.

Genaue Einsichten in das Phänomen der Händigkeit tragen dem Forschungsteam zufolge auch zum Verständnis der Evolution bei. Rechtshändigkeit gilt gemeinsam mit den Fähigkeiten, Werkzeuge zu nutzen und sich mittels einer Sprache zu verständigen, sowie mit der funktionellen und anatomischen Spezialisierung des Gehirns als ein spezifisches Merkmal des Menschen: In diesen Dingen unterscheidet sich unsere Evolution von der der Affen. (red, 16.4.2020)