Beteiligungen zu erwerben und wieder abzustoßen ist eine Art des Geschäfts, die dem 58-jährigen Ronny Pecik auch viel Kritik eingebracht hat.

Foto: Starpix / picturedesk.com

Es gibt kaum einen großen Deal in den vergangenen Jahren, bei dem sein Name nicht auftaucht. Ronny Pecik ist der Hecht im österreichischen Unternehmerteich. Im Juni 2012 etwa verkaufte der Investor seinen Anteil von mehr als 20 Prozent an der Telekom Austria an das mexikanische Telekom-Unternehmen América Móvil. Diese Beteiligung hatte er im Geheimen direkt und indirekt über die Wiener RPR Privatstiftung erworben und sich so zum zweitgrößten Aktionär der Telekom Austria gemacht.

Nach der Dotcom-Blase im Jahr 2000 kaufte sich Pecik mit Partnern 27 Prozent des Edelstahlherstellers Böhler-Uddeholm. Auch diese Beteiligung wurde gewinnbringend weiterverkauft. In Mirko Kovats fand Pecik damals einen neuen Partner – 2003 erwarben die beiden knapp 20 Prozent am Anlagenbauer VA Tech. Der Weiterverkauf erfolgte nur knapp ein Dreivierteljahr später an Siemens. Der Gewinn: 70 Millionen Euro. Gemeinsam gründeten Pecik und Kovats die A-Tec-Industries, die 2006 an die Börse gebracht wurde und 2010 pleiteging.

Beteiligung an Immofinanz

An der börsennotierten Immofinanz hält Pecik rund zehn Prozent, am Rivalen S Immo 14,2 Prozent. Dass Pecik nun Vorstandschef der Immofinanz wird, heißt wohl eines: Die momentan auf Eis liegenden Fusionspläne mit der S Immo werden bald wiederaufgenommen. Dann wird man rasch den nächsten Pecik-Deal sehen.

Beteiligungen zu erwerben und wieder abzustoßen ist eine Art des Geschäfts, die dem 58-Jährigen auch viel Kritik eingebracht hat – auch in der Schweiz, wo er 2007 über sein Unternehmen Victory 20,5 Prozent am Telekom-Unternehmen Ascom übernahm und beim Industriekonzern Sulzer einstieg. Schweizer Politiker warfen Pecik und seinen Partnern vor, sie seien nur auf kurzfristige Profite aus und sie seien keine langfristigen strategischen Partner. Es folgte eine Anzeige wegen Verletzung der Schweizer Meldepflichten. Diese wurden in der Folge verschärft, Pecik und seine Partner angeklagt und 2010 freigesprochen.

Der Selfmade-Multimillionär, der selbst nie studiert hat, ist seit 2019 Ehrensenator der TU Wien. Geboren wurde Pecik im kroatischen Varaždin. Mit vier kam er als Gastarbeiterkind mit der Familie nach Wien. Er brach die Schule ab, zog mit 17 von zu Hause aus, machte eine Lehre bei Bombardier und wurde mit 19 Vater. Bei einem Job in der Länderbank schnupperte er Finanzluft und blieb dann in der Branche hängen. (Bettina Pfluger, 23.4.2020)