Nick Kyrgios hat sich schon das eine oder andere Mal ordentlich geärgert.

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Dominic Thiems Kritik an der geplanten Unterstützung für Tennisspieler, die in der Weltrangliste auf Plätzen zwischen 250 und 700 liegen, sorgte in den vergangenen Tagen trotz Relativierung von Österreichs Nummer eins weiter für Nachwehen. Nick Kyrgios etwa schlägt sich nicht auf die Seite des Lichtenwörthers. "Er versteht nicht, worum es geht. Wir bekommen an der Spitze viel zu viel bezahlt, und zu wenig Geld wird verteilt", argumentierte der Australier. "Es geht darum, zu helfen, wo es geht, egal ob professionell. Versuche dich in ihre Lage zu versetzen!"

Auch Dustin Brown, Nummer 239 der Weltrangliste, kann Thiems Äußerungen nicht nachvollziehen: "Ich habe 2004 angefangen, in einem Camper gewohnt und Woche für Woche mit dem verdienten Geld überlebt. Eine Erstrundenniederlage hat mir 117,50 US-Dollar vor Abzug von Steuern gebracht. Deswegen habe ich für andere Spieler Tennissaiten bespannt, fünf Euro das Stück. Wenn das alles hier damals passiert wäre, hätte mich das die Karriere gekostet", postete der Deutsche auf Twitter.

Unterstützung erhielt Thiem von Lleyton Hewitt. "Das ganze Thema wurde aufgeblasen", erklärte Australiens Davis-Cup-Captain in der TV-Sendung "World Wide of Sport". "Ich kenne Dominic gut. Und was er im Grunde gesagt hat, war: 'Ich habe kein Problem, Geld an Organisationen zu spenden, die dieses wirklich brauchen.' Er hat nur ein Problem mit Spielern, die Tag für Tag nicht 100 Prozent auf dem Platz lassen und ihr Potenzial komplett ausnutzen", sagte Hewitt.

Der Australier gab zu bedenken, dass der von Novak Djokovic angedachte Hilfsfonds in manchen Fällen nicht optimal wäre. Etwa im Fall von James Duckworth. "Ich schaue auf jemanden wie James Duckworth, der extrem hart gearbeitet hat. In den letzten paar Jahren hat er alles gemacht, damit er die beste Chance hat, zurück unter die besten 100 Spieler der Welt zu kommen. Er verdient im Moment kein Geld, er schreibt sogar Verluste. Und dennoch möchte die ATP, dass er möglicherweise 5.000 oder 10.000 Dollar spendet. Ich glaube nicht, dass das gut ankommt." Auch nicht bei jenen Spielern, die in einer vergleichbaren Situation wie Duckworth wären.

Preisgeldverteilung

Sam Groth wies bei der Gelegenheit auf ein Hauptproblem der Szene hin: die Preisgeldverteilung. "Wenn man auf jemanden wie Novak Djokovic schaut, der die Australian Open gewonnen hat. Da spricht man von vier bis fünf Millionen für den Gewinn eines Grand-Slam-Endspiels. Wenn man nun 500.000 Dollar vom Preisgeld bei den Männern und Frauen abziehen und verteilen würde, dann stünden da plötzlich über ein Jahr acht Millionen Dollar zur Verfügung", rechnete der Australier vor.

Thiem hat in einem Interview mit der "Krone" gesagt, dass er nicht daran interessiert sei, einige der Spieler außerhalb der Top 100 zu unterstützen, da sie nicht professionell genug arbeiten würden. Viel wichtiger sei es, diejenigen zu unterstützen, die wirklich finanzielle Unterstützung benötigen. "Ganz ehrlich muss ich sagen, dass kein Tennisspieler ums Überleben kämpfen wird, auch nicht diejenigen, die einen viel niedrigeren Rang haben. Keiner von ihnen wird verhungern", sagte Thiem. Ich würde nicht wirklich verstehen, warum ich solchen Spielern Geld geben sollte. Ich würde lieber Menschen oder Organisationen Geld geben, die es wirklich brauchen. "Keiner von uns Topspielern hat etwas bekommen, wir mussten uns alle nach oben kämpfen."

Thiem: Restart eher erst 2021

In einem Interview mit Servus TV hat sich Thiem nicht sehr optimistisch über den Zeitpunkt des Wiederbeginns auf der Tour geäußert. Der Australian-Open-Finalist dieses Jahres sieht die Problematik in Zeiten der Coronavirus-Pandemie vor allem im Reisen und glaubt an einen Restart eher erst 2021.

"Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass es dieses Jahr echt schwer wird leider, weil das Problem bei uns eben ist: Wahrscheinlich würde es in manchen Ländern schon gehen, aber es müssen halt alle Spieler freie Reisemöglichkeiten haben", erklärte der 26-jährige Niederösterreicher. Die Logistik im Weltsport Tennis, der wohl seinen Protagonisten die meisten Flugmeilen aller Sportler sammeln lässt, ist schon so alles andere als einfach.

"Alle Spieler aus der ganzen Welt an einen Ort zu bringen, das erscheint mir wirklich schwierig", so der Weltranglisten-Dritte. "Von dem her glaube ich, dass es das Realistischste ist, dass es mit Australien oder mit den ersten Turnieren 2021 losgeht."

Turnierplanung

Die ATP selbst arbeitet im Hintergrund an Szenarien, um dies zu verhindern. Und auch zwei der vier Veranstalter der Grand-Slam-Turniere hoffen noch auf einen Ausweg: Während Wimbledon schon abgesagt ist, wurden die French Open vorerst von Mai/Juni auf September/Oktober verschoben, die US Open, so kursieren Gerüchte, könnten von New York ins weniger stark vom Coronavirus betroffene Indian Wells verschoben werden. (red, APA, 3.5.2020)