Kayleigh McEnany gilt als äußerst konservativ.

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Die Zunft der Pressesprecher gehört augenscheinlich nicht zu jenen, die bisher von "Make America Great Again" groß profitiert haben. Nicht umsonst nimmt dieser Tage mit Kayleigh McEnany bereits Pressesprecherin Nummer vier in der Ära Donald Trump auf diesem Schleudersitz Platz.

Die Fußstapfen, in welche die 32-Jährige tritt, sind zudem nicht allzu groß. Ihrer Vorgängerin Stephanie Grisham, immerhin ein Jahr im Amt, war das Kunststück gelungen, keine einzige Pressekonferenz abzuhalten. Trump, einst selbst Reality-TV-Star, dürfte dies nicht gestört haben, fügte sich Grisham doch ganz der Rolle, die er für ihresgleichen vorsieht: Lobpreisungen im Haus- und Hofsender Fox News, Häme gegen CNN, Wahlkampf in Dauerrotation.

Allzu aufwendig dürfte die Einschulung der ehemaligen College-Cheerleaderin McEnany nun auch nicht ausfallen. Kaum jemand weiß so genau, was Trump über sich lesen, hören und sehen will, wie die Tochter eines Bauunternehmers aus Florida. Seit 2015, weiß die New York Times zu berichten, weicht sie dem damaligen politischen Außenseiter und heutigen Herrn im Weißen Haus nicht von der Seite; früher als andere im republikanischen Kosmos setzte sie alles auf die Trump-Karte. Nun, als drittjüngste Pressesekretärin der Geschichte, ist sie am Ziel angelangt. "Ich werde Sie nie belügen", gelobte sie zum Einstand.

Rassistische Untergriffe

Wegbegleiter beschreiben die Mutter einer sechs Monate alten Tochter als harte Arbeiterin, ebenso ehrgeizig wie intelligent und mediengewandt. Auf Twitter teilte sie einst gleich wie ihr Chef mithilfe rassistischer Untertöne gegen Barack Obama aus, schilderte dort aber auch, wie sie sich 2018 wegen des Risikos, an Krebs zu erkranken, ihre Brüste amputieren lassen musste.

Erste Sporen verdiente sich die Absolventin der Universitäten Harvard und Georgetown bei allem, was unter Konservativen Rang und Namen hat: George W. Bush etwa oder Mike Huckabee, dem sie auf Fox News zuarbeitete. Und selbst der liberale Polit-Kommentator Van Jones, der McEnany während ihres Engagements bei CNN unter seine Fittiche nahm, lobte ihre Beflissenheit: "Viele unterschätzen sie und bereuen das später bitter."

Was sie wiederum an ihrem Chef so schätzt, beschrieb McEnany 2018 im Vorwort ihres Buches über Trump: dass sie sich nicht mehr für ihre Meinung zu schämen braucht, seit er im Amt ist. Gut möglich, dass viele ihrer Landsleute das ähnlich sehen. (Florian Niederndorfer, 4.5.2020)