In einem Leserbrief meldet sich Karl Schwarzenberg mit Ergänzungen zu Kurt Palms Album-Beitrag "Ein Pass für einen Totentanz" zu Wort. Schwarzenberg engagierte sich in der Helsinki-Föderation und war tschechischer Außenminister.

DER STANDARD veröffentlichte einen durchaus interessanten Artikel über Bert Brechts Einbürgerung in Salzburg vor 70 Jahren. Der Schreiber, der diese Zeit nicht mitgemacht hat, interpretiert aber einiges falsch. Wiederholt spricht er von einem persönlichen Hass Friedrich Torbergs gegen Brecht. Ich habe öfter mit Torberg über Brecht gesprochen, er hasste ihn nicht persönlich, aber Torberg war ein großer Kämpfer, ob es gegen den Nationalsozialismus oder gegen den Kommunismus war. Er hielt den Kommunismus für genau so gefährlich wie den Nationalsozialismus. Wir dürfen nicht vergessen, als sich die Salzburger Affäre abgespielt hat, war Stalin noch Herrscher der Sowjetunion und der Satellitenstaaten, und diese waren weiß Gott durch ihn und seine Grausamkeit geprägt.

Torberg 1977 in Altaussee.
Foto: Picturedesk / Barbara Pflaum

Stets für die Freiheit gekämpft

Dieses Regime war für die Freiheit Europas und der Welt lebensgefährlich. Torberg betrachtete es als seine Pflicht, dagegen zu kämpfen. Es wird ihm vorgeworfen, dass er für den amerikanischen Geheimdienst gearbeitet und respektive auch für das Forum Mittel von ihm genommen hätte. Er betrachtete es als seine Pflicht als amerikanischer Bürger, der er war, für den amerikanischen Geheimdienst zu arbeiten. Wir dürfen die vielen Toten, die es damals in der Sowjetunion und den Satellitenstaaten gegeben hat, nicht vergessen. Torberg betrachtete Stalin und den Kommunismus damals mit Recht als größte Gefahr. Er war zweifellos ein Kämpfer. Zu behaupten, dass er sich gegen die liberalen Kräfte gestellt hat, ist so ein Blödsinn – diejenigen, die damals mit der Sowjetunion und dem Kommunismus sympathisiert haben, waren die größten Feinde der Libertas (Freiheit), sie waren Antiliberale. Torberg war ein wirklicher Liberaler, der stets für die Freiheit gekämpft hat.

Wenn man diese Zeit nicht gekannt hat und nicht weiß, was damals passiert ist, kann man vielleicht einen solchen fehlerhaften Artikel schreiben, der auch viele richtige und interessante Informationen hat, aber in seiner Grundrichtung völlig falsch ist – vor allem in seiner Verdächtigung Torbergs, dieser habe aus persönlichem Hass gehandelt. Nein, er handelte bewusst als Verteidiger der Freiheit, bewusst gegen die tödliche Gefahr des stalinistischen Kommunismus. Gott sei Dank hat es ihn und Hans Weigel in Österreich gegeben.

Karl Schwarzenberg, 1030 Wien (4.5.2020)