Magenta-Chef Andreas Bierwirth.

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Seit einem Jahr heißt T-Mobile nun Magenta. Für den Telekomanbieter ein guter Grund, um zu seiner ersten virtuellen Pressekonferenz zu laden und neue Produkte vorzustellen. So gibt es neben Angeboten für die Arbeit im Homeoffice nun auch Gigabit-Internet ab 90 Euro. Zusätzlich wurde eine neue TV-Box für Kabelkunden vorgestellt, die 4K-Auflösung unterstützt, per Sprache gesteuert werden kann und mehrere Sendungen gleichzeitig aufzeichnet.

100 Prozent mehr Telefonanrufe

Firmenchef Andreas Bierwirth berichtete auch über die Erfahrungen in der Corona-Krise: Es habe 100 Prozent mehr Telefonanrufe und nun durchschnittlich 40 Prozent mehr Datennutzung gegeben. "Wenn man überhaupt von Engpässen sprechen könnte, wäre es fast im Bereich der Telefonie zu solchen gekommen, niemals im Bereich der Datennutzung", erklärte Bierwirth.

Zusätzlich drängte sich in der Krise nahezu ein neues Produkt auf. Magenta sei von fast allen B2B-Kunden kontaktiert worden, wie man rasch die Mitarbeiter Homeoffice-fähig machen könne. "Wir glauben, dass das Thema Homeoffice etwas ist, was bleiben wird. Homeoffice hat uns verändert", so Bierwirth. Arbeitszeitflexibilisierung sei da ebenso ein Thema wie die Möglichkeit für manche Unternehmen, mit weniger Büroflächen auszukommen.

Feuerlöschinstrumente

Mit einem "sehr einfachen Produkt" geht Magenta schon am 5. Mai auf den Markt. "Ein Laptop von HP mit Windows 10 pro, Office 365, dazu ein schnelles mobiles Internet, ein Router, ein Hotspot für 69,99/Monat mit Beratungsleistung bei der Einrichtung" stellte Bierwirth vor. Man habe in der Krise sehr viele Notlösungen oder "Feuerlöschinstrumente" wie Router verkauft. Die Kunden seien von der Infrastruktur her bei weitem nicht am Ende, Magenta will eine Lösung bieten, "wie man nachhaltig aus dem Notfallmodus herauskommen kann". Magenta rechnet für das Produkt mit "einigen Zehntausend Kunden".

Homeoffice könnte auch deshalb noch interessanter werden, weil Bierwirth Einsparungen bei Geschäftsreisen und vermehrte Nutzung durch Videokonferenzen (Stichwort: Klimaschutz) erwartet.

25 Prozent seiner Mitarbeiter in Kurzarbeit

Magenta selbst spürt die Auswirkungen der Krise unter anderem beim Roaming. Gerade im Tourismusland Österreich und der sehr exportorientierten österreichischen Wirtschaft. Derzeit würden Verluste im Roamingbereich im "unteren zweistelligen Millionenbereich" erwartet. "Es hängt davon ab, wann sich die Reisen wieder öffnen." Bei einer positiven Erwartungshaltung, so rechnet Bierwirth vor, würde man bei 25 Prozent Reistätigkeit im dritten und einer 50-prozentigen im vierten Quartal zwischen zehn und 20 Millionen Euro im Roamingbereich weniger lukrieren.

Magenta hat bis Ende Juni circa 25 Prozent seiner Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. "Wir gehen fest davon aus, dass alle Mitarbeiter von Magenta ab 1. Juli wieder zu 100 Prozent für das Unternehmen tätig sind." Derzeit kehrt man schrittweise und in Form von Teams im Falle von Ansteckungen ins Büro zurück.

Mit Maßnahmen wie unter anderem keine Reisekosten bis Jahresende, einem Einstellungsstopp, externe Projekte auf intern verlagern habe man inklusive der Kurzarbeit etwas über 10 Millionen Euro an Kosteneinsparungen erwirkt. Hinzu kommen andere Effekte, etwa ausbleibende Kommissionszahlungen an Händler.

Durch dieses "Gürtel-enger-Schnallen" könne man das "Investitionsprogramm in Österreich mit Vollgas weiter fortsetzen". Konkret sind das für 2020 250 Millionen Euro, die in den Aufbau des 5G-Netzes und auch die Festnetzverbreiterung gehen sollen.

Bierwirth glaubt an einen "Digitalisierungsschub an allen Ecken und Enden" als Auswirkung der Corona-Krise. "Es gab viele KMUs, die versucht haben, ihr Geschäftsmodell zu digitalisieren. Das Thema Digitalisierung hat bei all denen, die noch tätig gewesen sind, dazu geführt, dass sie überhaupt noch tätig sein können." Und der Magenta-CEO glaubt auch, dass die "Gewinner diejenigen sein werden, die die Kraft hatten, das zu tun, und nicht nur darauf warteten, dass die alte Zeit wiederkommen wird."

5G

Für Magenta steht der 5G-Ausbau im Vordergrund. Ein hoher zweistelliger Bereich Ende 2020 soll es werden. "Ende 2021, Ende Mitte 2022 werden wir in die Flächendeckung reinkommen", glaubt Bierwirth. Zudem habe man sich auch technisch gesehen wegen der Krise flexibilisiert, baut nun auf eine Multivendor-Strategie, auch in der Antennentechnik, "um im Zweifel mit mehreren Vendoren auszugleichen". Der Anstieg der Videotelefonie habe gezeigt, dass man 5G unlimitiert anbieten müsse.

Nach einem Jahr Magenta will man schon ab Dienstag stark verbilligte Internettarife anzubieten, besonders im High-Performance-Bereich. "Nach einem Jahr wollen wir die Ein-Gigabit-Bandbreite auch wirklich leistbar machen." Die Bandbreiten wären nun stark genug, dass man beim Ein-Gigabit-Produkt von bisher 200 Euro/Monat auf 100 beziehungsweise 90 bei Magenta-eins-Kunden zurückgehen könne. "Auch in den anderen Festnetztarifen wird es deutlich mehr Speed zum gleichen Preis geben", verspricht Biertwirth.

Eine neue TV-Box mit 4K-Unterstützung, Sprachsteuerung, Nutzerprofilen und Mehrfach-Aufnahmen wird ebenso angeboten. "Internet und Fernsehen findet bei uns, das grenzt uns deutlich vom Mitbewerber ab, in separaten Leitungen statt."

Die neue TV-Box.
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Die mehrstündigen Netzausfälle Ende April seien auf ein technisches Problem in der "Aorta bei Liberty Global" zurückzuführen. Nach dem Aufbau neuer Redundanzen sei dies nicht mehr zu erwarten.

Im Übrigen berichtete Bierwirth, dass das Angebot von Netflix, Youtube und Co, die ihre Kapazitäten für Gesamteuropa drosseln, für manche europäischen Nachbarländer durchaus wichtig gewesen sei. Bei einer Simulation für Magenta Österreich, erklärte Bierwirth, hätten die Kapazitäten auch ohne Drosselung der Streaming-Riesen für den heimische Markt ausgereicht. (APA, red, 4.5.2020)