Chris Horner: "Das Screening, das Testen und die Beschränkungen werden ziemlich drakonisch sein".

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Spielberg – Die bei einer Durchführung des Formel-1-Grand-Prix von Österreich angesichts der Coronavirus-Pandemie geltenden Maßnahmen könnten laut Red-Bull-Teamchef Christian Horner beispielgebend für weitere Rennen in diesem Jahr sein. Damit die Königsklasse wie erhofft am 5. Juli in Spielberg starten kann, muss ein Sicherheitskonzept von Veranstalter und Rennserie durch die Regierung genehmigt werden.

"Das Screening, das Testen und die Beschränkungen werden ziemlich drakonisch sein, aber wenn es dem Sport einen Neustart erlaubt, könnte es ein Plan für weitere Strecken sein", erklärte Horner gegenüber der Website autosport.com. Die Formel 1 plant aktuell eine Doppelveranstaltung an den ersten zwei Juli-Wochenenden ohne Zuschauer auf dem Red-Bull-Ring in der Steiermark.

"Wir brauchen eine Meisterschaft"

Der Brite meinte, dass man Gruppen von weniger als 80 Personen eines Teams bilden müsse, die jeweils im selben Hotel wohnen, gemeinsam reisen und nicht mit anderen Rennställen in Kontakt treten können. "Mit diesen Maßnahmen könnte man die Piloten schützen und die nötigen Vorkehrungen für die Gastgeber der Rennen schaffen."

Horner ist zuversichtlich, dass heuer zumindest einige Rennen stattfinden werden. "Wir sind ein Rennteam und wir brauchen eine Meisterschaft. Es ist unvorstellbar, heuer keine Rennen zu fahren und ich glaube, es wäre sehr unwahrscheinlich, dass heuer kein Event stattfindet oder es keine Weltmeisterschaft gibt", betonte der Teamchef des österreichisch-britischen Rennstalls.

Der deutsche McLaren-Teamchef Andreas Seidl sagte den TV-Sendern RTL/ntv, er befände sich "in enger Abstimmung mit den anderen Teams und der Formel 1, um ein detailliertes Konzept auszuarbeiten, wie wir dieses Rennwochenende, oder diese Rennwoche, in Österreich fahren würden". Vor dem Neustart gelte es, Hürden zu bewältigen.

Sieben der zehn Rennställe in England

"Wir müssen natürlich alle auch erst einmal schauen, wie wir aus unseren Heimatländern rauskommen und auch wieder rein nach so einer Rennwoche", erklärte Seidl. "Die ganze Situation ist nach wie vor sehr dynamisch und kann sich täglich ändern." Sieben der zehn Rennställe haben ihre Fabriken in England. Ferrari und AlphaTauri besitzen Zentralen in Italien, Alfa-Romeo-Sauber in der Schweiz.

Nach Seidls Einschätzung darf die Formel 1 bei den erforderlichen Tests jedoch keine Sonderrolle einnehmen. "Es wird wichtig sein, dass wir diese Rennwoche nur dann durchziehen, wenn sichergestellt ist, dass in den einzelnen Ländern genügend Tests vorhanden sind, genug Equipment, um erst einmal die Bevölkerung zu beschützen und zu versorgen", meinte der 44-Jährige. "Es wäre nicht verantwortlich, wenn wir hier Gesundheitsmaterial und -ressourcen verbrennen würden, und gleichzeitig im Land die Versorgung für die Bevölkerung noch nicht sichergestellt ist."

Touristiker sind begeistert von möglichen Rennen in der Steiermark, unter Anrainern in Spielberg gibt es aber auch Bedenken. Der ehemalige Ombudsmann Karl Arbesser meinte im Morgenjournal von Ö1 am Montag, das Risiko, angesteckt zu werden, werde wesentlich größer, denn tausend Leute könnten einreisen aus Ländern, deren Infektionszahlen wesentlich höher sind als in Österreich. Da könnten möglicherweise Infizierte dabei sein. "Auch wenn behauptet wird, dass jeder erst mit einem Coronatest nach Österreich kommen darf", sagte Arbesser. Er will daher Parteienstellung bei einem Bewilligungsverfahren erreichen. (APA; 4.5.2020)