Mit Prognosen ist es so eine Sache, erst recht unter den gegebenen Umständen. Nach aktuellem Stand ist auch in der nächsten Saison nicht mit "Derbys of Love" zwischen dem Wiener Sport-Club und dem First Vienna FC zu rechnen, weil mit dem Abbruch des Spielbetriebs und dem Beschluss des ÖFB der Aufstieg der Blau-Gelben trotz aussichtsreicher Lage als Tabellenprimus der Wiener Liga eigentlich vom Tisch ist.

Das Stadion Hohe Warte harrt der Dinge. Die Vienna befand sich vor dem Lockdown in aussichtsreicher Lage.
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Doch es könnte auch anders kommen, zumal mit Ebreichsdorf just der Ostliga-Meister 2019 vor wenigen Tagen den freiwilligen Abstieg in die Gebietsliga verkündet hat, um auch weiter in finanziellen Belangen auf der sicheren Seite zu sein. Neben der Vienna könnte etwa auch Siegendorf (Tabellenführer der Burgenlandliga) in die dritthöchste Spielklasse aufrücken. Die Vienna plant vorerst aber weiterhin mit der Stadtliga.

Viele Fragezeichen

Noch ist nicht absehbar, wie es weitergeht. Werden noch andere Vereine dem Beispiel Ebreichsdorfs folgen? Wird es überhaupt eine Saison 2020/21 geben, zumal Geisterspiele unter völligem Ausschluss der Öffentlichkeit ja nicht wirklich Sinn ergeben? Die Vereine blicken ins Ungewisse, kämpfen um die Liquidität und wünschen sich eine Perspektive. So auch der Sport-Club und die Vienna, die sich für das Corona-Kurzarbeitsmodell entschieden haben. Sie zeigen Verständnis für den Abbruch der Ligen und die Maßnahmen der Regierung.

Vienna-Geschäftsführer Thomas Loy wünscht sich, dass konkrete finanzielle Hilfen unkompliziert und zielgerichtet an die Vereine gehen.
Foto: First Vienna FC / Stephan Doleschal

Aber "es schmerzt, eine so starke Saison nicht zu Ende spielen zu können und dass sich das große Ziel, zurück in die Regionalliga zu kommen, durch die Krise verzögert hat", sagt Vienna-Geschäftsführer Thomas Loy. Man müsse jedoch anerkennen, dass es im Moment wichtigere Dinge gebe. Nichtsdestoweniger benötige man mehr Informationen, welche Förderungen es gebe und wie der Fahrplan der Regierung für den Amateurfußball aussieht. Erst dann könne ein Budget erstellt werden und Sportdirektor Markus Katzer mit der Kaderplanung beginnen. "Es wäre für alle Sportvereine wichtig, nicht nur für den Fußball, dass hier rasch Klarheit herrscht und konkrete finanzielle Hilfen unkompliziert und zielgerichtet an die Vereine gehen. Für viele ist die Situation sehr belastend, und darum sind Hilfen umso wichtiger, um Vereinen in dieser existenzbedrohenden Situation unter die Arme zu greifen. Ansonsten könnte sich die Sportlandschaft in Österreich stark negativ verändern", sagt Loy.

Das Stadion des Sport-Clubs in Dornbach wird trotz der Krise saniert. Dank der Mittel der Stadt sollen die Bauarbeiten im Sommer beginnen.
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David Krapf-Günther, Sektionsleiter und Finanzreferent des Sport-Clubs, beurteilt die Situation als kritisch, "weil wir Probleme haben, die nächste Saison zu planen". Auch er vermisst Informationen für Gespräche mit Sponsoren und Mannschaftszusammenstellung. Die Frühjahrssaison wurde abgehakt, Gesundheit gehe natürlich vor. Der Fokus liege nun darauf, den Fortbestand in der jetzigen Form zu gewährleisten.

Stadionsanierung im Zeitplan

Keine Probleme gibt es derweil mit den Sanierungsarbeiten am Stadion, die durch die Mittel der Stadt gesichert sind. Momentan befinde man sich in der Ausschreibungsphase. Alles sei auf Schiene und im Zeitplan. Die Arbeiten sollen im Sommer beginnen.

David Krapf-Günther wünscht sich eine Perspektive und die Soforthilfe für die Überbrückung, um über die Runden zu kommen.
Foto: Sport-Club

Krapf-Günther bekrittelt, dass es für Unternehmen Soforthilfen gab, für Vereine aber noch nicht klar ist, wann es etwas gibt. "Vereine sind ganz normale Unternehmen, haben Fixkosten", sagt er. "Uns fehlen die Perspektive und die Soforthilfe für die Überbrückung, damit wir über die Runden kommen. Uns entging ein gutes Vermögen in Vereinsmaßstäben." Allein durch die sechs gestrichenen Partien in Dornbach muss ein Ausfall von bis zu 150.000 Euro verkraftet werden. Zudem wackeln bei Schwarz-Weiß und Blau-Gelb geplante Freundschaftsspiele gegen namhafte Gegner gehörig – somit auch wichtige Einnahmen. Die Vienna hat das Match gegen Sheffield FC bereits verschoben, der Sport-Club hat den potenziellen Gegner noch gar nicht verkündet.

Als äußerst positiv erwähnen beide Vereinsvertreter die beispielhafte Fan-Solidarität und den Zusammenhalt in den eigenen Reihen. Die Vienna-Supporters haben das virtuelle Heimspiel ins Leben gerufen. Unter dem Motto "Zimmer, Küche, Kabinett – mehr hamma zurzeit ned" gibt es die Möglichkeit, unter 1894.at/tickets verschiedene Projekte zu unterstützen. Der Sport-Club hat mit der Aktion #HeanoisSchlogtOis bereits wichtige Einnahmen lukriert.

Einige Lösungsansätze

Die Schwarz-Weißen hoffen auf zuschauerabhängige Unterstützung für die entgangenen Einnahmen. Ein Abstieg sei "derweil kein Thema, aber wenn es monatelang so weitergeht, man keine Förderung kriegt und man nur Kosten hat, dann muss sich jeder Verein irgendwann auch damit beschäftigen, wie er mit seinen Kostenstrukturen umgeht und in welcher Höhe dann noch Entschädigungszahlungen für Spieler und Betreuer möglich sind", sagt Krapf-Günther.

Hinsichtlich Fortbestandsprognose wünscht sich Krapf-Günther, ein paar Kosten, zum Beispiel Zahlungen an Magistrate, mittelfristig wegzubekommen. "Das könnte ein Zuckerl sein." Erfreulich sei, dass für die Zeit des Stillstands keine Stadionpachtgebühren fällig werden. Loy sieht auf die Vienna große Herausforderungen zukommen. "Es wird mit Sicherheit Einschnitte geben müssen." Die Vienna aber habe in ihrer 125-jährigen Geschichte schon einige schwierige Zeiten gemeistert und sei "unverwüstlich". (Thomas Hirner, 5.5.2020)