Wenige Kunden, hinkende Lieferungen und eingebrochene Exporte: Die Corona-Krise sorgt für tiefe Einschnitte in der Wirtschaft.

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Wien – Die Corona-Pandemie hat in Europas Industrie tiefe Kratzer hinterlassen. Nach einem Einbruch im März befand sich der Einkaufsmanagerindex (PMI) im April in der Eurozone weiter auf Talfahrt. Das Barometer fiel gegenüber dem Vormonat um weitere 11,1 auf 33,4 Punkte. Damit wurde der tiefste Wert seit Umfragebeginn im Juni 1997 erreicht, wie das Institut IHS Markit am Montag mitteilte. Erst ab 50 Punkten signalisiert der Index ein wirtschaftliches Wachstum.

Besonders stark war der Einbruch in Österreich, Frankreich, Italien und Griechenland. In allen vier Euroländern wurde ein Allzeittief erreicht. Hierzulande lag der Wert bei 31,6 Punkten, wie die Bank Austria bereits vor rund einer Woche bekanntgab. Das Tempo des Beschäftigungsabbaus sei aufgrund von Kurzarbeit allerdings etwas geringer als zur Zeit der Finanzkrise ausgefallen, heißt es bei der Bank.

Beispielloser Absturz

In Deutschland wurde kein Rekordtiefstand erreicht, aber auch das Nachbarland legte im Index laut IHS Markit einen "beispiellosen Absturz" auf den niedrigsten Wert seit mehr als zehn Jahren hin. Der Zähler sank auf 34,5 Punkte, wie das Umfrageergebnis unter 400 Unternehmen zeigte.

Gründe dafür gibt es gleich mehrere: Das Schließen von nicht systemrelevanten Unternehmen und weitere Corona-Bekämpfungsmaßnahmen hätten für massive Nachfrage- und Produktionsausfälle gesorgt, heißt es bei IHS Markit. Aufgrund ähnlicher Maßnahmen außerhalb der Eurozone und wegen Transportbeschränkungen brach zudem das Exportvolumen deutlich ein. Nicht zuletzt sorgten Lieferverzögerungen und Materialengpässe dafür, dass sich die Lieferzeiten so stark verlängerten "wie nie zuvor".

Schleppende Erholung

Angesichts der abflachenden Virusausbreitung bestünde Hoffnung, dass der Tiefpunkt mit April bereits erreicht wurde – vorausgesetzt, es kommt nicht zu einer zweiten Infektionswelle, sagt Chris Williamson, Chefökonom des Instituts. Nichtsdestotrotz würden die niedrigen Werte auf Quartalsbasis einen Wachstumsrückgang im zweistelligen Bereich signalisieren. "Die Erholung dürfte nur schleppend vonstattengehen", so Williamson.

Dass die Erholung noch dauern wird, lässt auch eine am Montag veröffentlichte Erhebung der Europäischen Zentralbank (EZB) vermuten. Die von der Institution quartalsweise befragten Ökonomen rechnen heuer in der Eurozone mit einem Einbruch des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 5,5 Prozent. 2021 soll das BIP mit einem Plus von 4,3 Prozent jedoch wieder deutlich wachsen. Für 2022 rechnen die Volkswirte mit einem Wachstum von 1,7 Prozent.

Ein Blick nach China würde zumindest eine relativ rasche Erholung der Industrie in Aussicht stellen, schreibt das Oxford-Economics-Institut. Auch dort wurde die Produktion stark eingeschränkt, erholte sich aber zügig. Für die Industrie in der Eurozone sei man allerdings pessimistischer, hieß es am Montag. Auch das britische Institut geht davon aus, dass die Erholung schleppend vorangehen dürfte. Im Mai könnte die wiederanlaufende Automobilproduktion zumindest für Aufschwung sorgen. (red, 4.5.2020)