Das Kreuzfahrtschiff Msc Bellissima.

Foto: AP / Andrew Matthews

Klagenfurt/Dubai – Mit einem Hilferuf hat sich am Montag eine junge Kärntnerin via Facebook an die Öffentlichkeit gewandt. Julia Katharina Wutte sitzt seit mittlerweile 51 Tagen auf dem Kreuzfahrtschiff Msc Bellissima im Hafen von Dubai fest. Seit sie nach eigenen Angaben vor drei Wochen positiv auf das Coronavirus getestet wurde, darf sie ihre Kabine nicht mehr verlassen. "Kann mich irgendjemand von diesem Schiff runterholen, bitte?", sagt die 26-Jährige in dem Facebook-Video.

Vom Traum zum Albtraum

Angefangen hat alles eigentlich mit der Erfüllung eines großen Traums. Im Februar ist die professionelle Tänzerin als Artistin für den weltberühmten Cirque du Soleil an Bord der Msc Bellissima gegangen. Acht Monate sollte sie mit dem Schiff unterwegs sein und bei Shows auftreten. Doch dann kam Corona. Anfang März legte das Schiff im Hafen von Dubai an, bis 16. März waren alle 4.500 Gäste von Bord gegangen und in der Woche darauf der Großteil der 2.000 Personen umfassenden Crew.

Am 18. März erkundigte sich Wutte beim österreichische Außenministerium über ihre Heimreiseoptionen. Dies bestätigt ein Sprecher und erklärt man habe der 26-Jährigen mehrmals geraten, einen der Rückholflüge zu nehmen – auch kommerzielle Flüge habe es gegeben –, sie habe dies jedoch abgelehnt.

Dies bestätigt Wutte, erklärt aber, dass Msc Cruise ihr geraten habe nicht von Bord zu gehen, weil die Vereinigten Arabischen Emirate am 19. März die Visavergabe eingestellt haben. Demnach wäre sie illegal im Land gewesen sobald sie das Schiff verlässt.

Knapp einen Monat später, für den 11. April, konnte schließlich doch eine Heimreise organisiert werden. Davor habe man Frau Wutte vorschriftsmäßig auf Covid-19 getestet, heißt es in einer Stellungnahme von Msc Cruise. "Obwohl sie keine erkennbaren Symptome hatte, war das Testergebnis positiv und die örtlichen Bestimmungen machen es ihr daher unmöglich, nach Hause zu reisen."

Ein Sprecher des Außenministeriums wiederum sagt, eine Ausreise hätte in der gegebenen Situation möglicherweise auch ohne Visum stattfinden können. Man sei jedenfalls mit Frau Wutte und den emiratischen Behörden in intensivem Kontakt, um eine Lösung zu finden. Sobald sie nicht mehr positiv getestet wird, werde man für sie eine sichere Rückkehr nach Österreich arrangieren, heißt es auch von Msc Cruise.

Außenministerium in "intensivem" Kontakt mit emiratischen Behörden

Die Situation sei auch deshalb schwer zu ertragen, weil sie bisher keine Krankheitssymptome gezeigt habe, sagt Julia Wutte. "Natürlich will ich niemanden in Gefahr bringen, ich weiß nicht, ob ich ansteckend bin", sagt die 26-Jährige. "Langsam fällt mir aber die Decke auf den Kopf." In einer Außenkabine, auf fünf Quadratmetern, wie sie sagt, beschäftigt sie sich mit Meditation, Yoga und Spanischlernen. Dreimal am Tag komme das Essen vor die Tür, "Nudeln, Reis, Brot – hie und da ein Salat", beschreibt sie die Hauptzutaten. Vor knapp einer Woche durfte sie die Kabine zum ersten Mal verlassen, um einen Abstrich für einen Corona-Test zu machen. Das Ergebnis: wieder positiv.

Allein gelassen fühle sie sich vom Cirque de Soleil, meint Wutte, aber auch seitens Msc Cruises seien Fehler gemacht worden. "Es ist Zeit, nach Hause zu gehen. Also, wenn mir jemand helfen kann, mich heimzubringen: Private Jet, Schwimmreifen – ois nimm i", schließt sie ihr Video. (Johannes Pucher, 5.5.2020)