Gibt es wirklich Autos, die ohne einen Menschen hinter dem Steuer fahren?

Ja, und eigentlich gar nicht so wenige davon. Weltweit sind seit ein paar Jahren bereits einige Tausend von ihnen auf den Straßen unterwegs. Dass du noch keines gesehen hast, liegt wohl daran, dass es die selbstfahrenden Autos fast nur in chinesischen und amerikanischen Städten wie San Francisco oder Shenzhen gibt.

So sieht das aus, wenn ein Auto ganz alleine fährt.
Tesla

Dort sind auch die ganzen Technikfirmen, die Computer so programmieren, dass ein Auto weiß, wo es hinfahren kann und darf und wo nicht. Außerdem gibt es dort weniger strenge Regeln für fahrerlose Autos im Straßenverkehr als bei uns. Trotzdem sind meistens noch Aufpasser in den Autos dabei.

Aber wie genau geht das? Wie lernen die das?

Computer können manche Sachen sehr viel besser als wir. Sie rechnen tausendmal schneller und genauer – solange sie alle Regeln kennen. Dem Autocomputer alle Verkehrsregeln beizubringen ist nicht schwer. Knifflig wird es, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Sagen wir, ein Sturm bläst ein Trampolin auf die Straße.

Illustration: Fatih Aydogdu

Dann muss der Computer richtig reagieren. Die Entwickler versuchen, möglichst viele Kilometer zu fahren, Verrücktes zu erleben und trotzdem unfallfrei bleiben. Was ein ¬Computer lernt, kann er sofort mit anderen teilen. Das können Menschen nicht.

Und woher wissen sie, wohin man fahren darf, wenn es regnet oder schneit?

Die schlauen Autos brauchen vor allem drei Dinge: gute Karten, gute Markierungen und gute Sensoren. Google macht seit Jahren supergenaue Karten mit Satellitenfotos und mit Autos, die alles abfahren und abfilmen. Das ist die Grundausrüstung der selbstfahrenden Autos. So kennen sie immer den richtigen Straßenverlauf, auch wenn gerade der Schnee ein Stoppschild verdeckt. Außerdem wird dauernd mit Lichtsensoren der Abstand gemessen – Regen macht denen nichts aus. Eine Kamera filmt alles und erkennt etwa das Schild, das uns sagt, wie schnell man fahren darf.

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So sieht ein Lidar-System aus. Das schickt Lichtwellen aus und misst damit Abstände zu Spaziergängern, anderen Autos oder Radfahrern.
Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/ALEX WONG

Muss ich dann überhaupt noch einen Führerschein machen?

Ein paar Visionäre – so nennt man Leute, die versuchen, die Zukunft vorauszusagen – glauben, dass man Menschen möglichst bald gar nicht mehr hinters Steuer lassen sollte, weil Menschen mehr Unfälle bauen. Am sichersten wären Straßen, wenn nur mehr Computer untereinander reden würden – ähnlich wie der Autopilot in Flugzeugen. Denn Computer sind nie müde, besoffen, wütend oder abgelenkt.

Manche autonome Autos liefern auch nur Essen oder bestellte Waren.
Foto: Nuro via AP

Dass selbstfahrende Autos auch zu uns kommen, bestreitet fast niemand, auch weil man die Zeit hinter dem Steuer sinnvoller nutzen kann – Emails beantworten, oder etwas lesen zum Beispiel. Nur wann ist die Frage. Mein Tipp: In Schweden dauert es noch drei Jahre, bei uns sieben. Vielleicht brauchst du also gar keinen Führerschein mehr. Wahrscheinlich aber schon.

Wäre es nicht klüger, wenn wir die Autos fliegen lassen? Oder ganz abschaffen?

In der Luft wäre natürlich weniger los, und keine Häuser, Berge oder Seen wären im Weg. Und es wäre auch viel ungefährlicher für Fußgänger, Radfahrerinnen und Tiere – Vögel ausgenommen. Vor allem wäre es schneller, wenn man sich lästige Zickzackkurse durch die Stadt spart. Technisch ist es wohl bald möglich.

Die Frage ist nur, ob Firmen damit genug Geld machen können. Manche glauben, dass sich beliebte Routen zwischen Stadtzentrum und Flughafen rentieren könnten. Diese fliegenden Autos sind dann aber auch nur Helikoptertaxis. Ganz auf Autos verzichten können wir nicht, wir sollten sie aber teilen. Die meisten stehen von 24 Stunden nämlich 23 in der Gegend herum. (STANDARD FÜR KINDER, Fabian Sommavilla, 6.5.2020)