Feuchter Kirchgang im Norden Portugals.
Foto: REUTERS/Jose Manuel Ribeiro

Potsdam – Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) präsentierte diese Woche die Ergebnisse einer Umfrage unter gut hundert Experten für die Entwicklung des Meeresspiegels, wie sie die Zukunft einschätzen. Deren Prognose ist erwartungsgemäß wenig erfreulich: Sollten weiterhin so viele Treibhausgas ausgestoßen werden wie bisher, werde der globale mittlere Anstieg des Meeresspiegels bis zum Jahr 2100 etwa einen Meter betragen – mit entsprechenden Folgen für heutige Küstengebiete, die teilweise dicht besiedelt sind.

Die neuen Risikoabschätzungen liegen im Schnitt höher als die bisher vom Weltklimarat (IPCC) veröffentlichten, die Schwankungsbreite reicht von 0,6 bis 1,3 Meter. Die Wissenschafter zeigen die verbleibenden Unsicherheiten auf, halten aber zugleich frühere Schätzungen des Meeresspiegelanstiegs für zu niedrig. Ihre Prognose basiere auf zunehmendem Wissen über Ozeane, Eismassen und Wasserkreisläufe.

Für das Jahr 2300 – eine Zeit, an die freilich noch die wenigsten denken dürften – prognostizieren sie im schlimmsten Fall sogar einen mehr als fünf Meter höheren Meeresspiegel, wenn sich nichts ändert. Doch auch für diese ferne Zukunft würden die Weichen bereits heute gestellt. "Was wir heute innerhalb weniger Jahrzehnte tun, bestimmt den Meeresspiegelanstieg für viele Jahrhunderte, das zeigt die neue Analyse deutlicher als je zuvor", erklärte Stefan Rahmstorf vom PIK.

Das sei aber auch eine gute Nachricht, so Rahmstorf. "Wir haben es beim Ausstoß von Treibhausgasen selbst in der Hand, wie stark wir die Risiken für Millionen von Menschen an den Küsten der Welt ansteigen lassen." (red, APA, 9. 5. 2020)