Kizzmekia Corbett ist am Institut für Allergien und Infektionskrankheiten des National Institute of Health (NIH) in Bethesda, Maryland, tätig.
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"Wenn alles gutgeht", sagte Kizzmekia Corbett kürzlich auf CNN, gebe es im Herbst dieses Jahres einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 für Hochrisikopersonen. Im Frühjahr 2021 solle die Impfung für die allgemeine Bevölkerung zur Verfügung stehen.

Ob Corbett mit ihrem Optimismus recht behält, werden wir in einem Jahr wissen. Fest steht jetzt schon, dass die 34-jährige Afroamerikanerin weltweit zu den aussichtsreichsten Forscherinnen und Forschern bei der Suche nach jenem Impfstoff zählt, auf den die Welt so sehnlichst wartet.

Der Weg zur eminenten Immunologin war aber alles andere als vorgezeichnet. Corbett wuchs in einer großen Familie mit etlichen Halb- und Pflegegeschwistern im ländlichen Hillsborough, North Carolina, auf. Ihrer Volksschullehrerin blieben Corbetts enorme Begabungen nicht verborgen, und sie überredete deren Mutter, sie in einer Klasse für Hochbegabte unterzubringen.

Stipendium für Minderheiten

Nach ihrem Schulabschluss ermöglichte ihr ein Stipendium für Minderheiten in der Wissenschaft ein Universitätsstudium. In ihrer Dissertation an der renommierten University of North Carolina in Chapel Hill erforschte Corbett Antikörper bei Kindern mit Denguefieber in Sri Lanka.

2014 heuerte Corbett am Institut für Allergien und Infektionskrankheiten des National Institute of Health (NIH) in Bethesda, Maryland, an. Corbett ist dort für die wissenschaftliche Leitung einer Gruppe zuständig, die Impfungen gegen Coronaviren entwickelt. In den vergangenen Jahren forschte sie zu Sars und Mers. Diese Erkenntnisse sind nun von zentraler Bedeutung bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Sars-CoV-2.

Wie Corbett am 7. Mai bekanntgab, erteilte die US-Arzneimittelbehörde FDA die Zustimmung für Phase 2 der klinischen Studien. Nun können Tests mit 600 Patienten starten. Parallel wird die letzte Phase vorbereitet, die im Sommer durchgeführt werden soll.

Kizzmekia Corbett (links) führte eine Delegation mit US-Chefepidemiologen Anthony Fauci und Donald Trump im März durch ihr Labor.
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Besuch von Trump

Bei einem Besuch in Corbetts Labor zeigte sich auch US-Präsident Donald Trump von der Forschung beeindruckt. Kurz zuvor hatte Corbett den Überhang an weißen Männern in der US-Corona-Taskforce auf Twitter kritisiert. Die Tatsache, dass Afroamerikaner in den USA viel stärker von der Pandemie betroffen sind als Weiße, prangert Corbett immer wieder an und sieht sich als deren Fürsprecherin: "Ich tweete für jene Menschen, die sterben werden, wenn Ärzte entscheiden müssen, wer das letzte Beatmungsgerät bekommt." (Tanja Traxler, 11.5.2020)