Der Mitarbeiter soll die Frau ungefragt über Facebook, Instagram und per SMS kontaktiert haben.

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"Contact-Tracing", also die Nachverfolgung von Kontakten, ist einer der Ansätze, mit denen die Coronavirus-Pandemie beobachtet und eingedämmt werden soll. Ein Hilfsmittel dafür sind etwa Apps wie "Stopp Corona", die automatisch Kontakte festhalten und bei Verdachts- und Infektionsfällen warnen sollen.

Ein solches System sollte aber freilich datenschutztechnisch solide gestaltet und auf die Wahrung von Anonymität ausgelegt sein. Was passiert, wenn dem nicht so ist, zeigt nun ein Fall aus Neuseeland. Hier hatte der Besuch einer Fastfood-Kette für eine Kundin sehr unerfreuliche Folgen, berichtet "Newshub".

Kontaktaufnahme per Facebook, Instagram und SMS

Jess (Name geändert) war in einer Filiale der Sandwichkette Subway in North Shore, einem Stadtteil von Auckland. Zur Kontaktnachverfolgung lagen dort Formulare auf, die bei einer Bestellung auszufüllen waren. Die Frau trug Name, Adresse, E-Mail und Telefonnummer ein, nahm ihr Essen entgegen und ging wieder.

Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht ahnte, war, dass sich der Mitarbeiter hinter dem Tresen offenbar in sie verschaut und sich den Zettel zunutzegemacht hatte. Denn plötzlich erhielt sie Kontaktanfragen von ihm auf Facebook und Instagram. Dazu schrieb er ihr auch über den Facebook Messenger und per SMS.

Untersuchung läuft

"Ich habe mich dank ihm wirklich unwohl gefühlt", beschreibt sie die Situation. Auf keinen Fall habe sie diese Kontaktaufnahme gewünscht. Sie sei froh, mit anderen Leuten zusammenzuwohnen, da sie sich aktuell sonst fürchten würde.

Sie meldete den Vorfall bei Subway. Dort hat man mittlerweile reagiert. Der beschuldigte Mitarbeiter wurde freigestellt, eine Untersuchung läuft. Sollte sich Fehlverhalten feststellen lassen, so hat er mit Konsequenzen zu rechnen.

Subway stellte System um

"Es ist absolut essenziell, dass Betriebe solche Informationen ausschließlich für das Pandemie-Management verwenden", kommentiert die neuseeländische Datenschutzkommission den Fall. Wenn Mitarbeiter die Daten missbrauchen, würde dies das System unterlaufen und Menschen gefährden.

Subway hat mittlerweile auch aufgerüstet. Seit Mittwoch wurden die Contact-Tracing-Formulare in Neuseeland durch ein digitales System ersetzt. Hier geben die Kunden ihre Daten auf einem Terminal ein. Anschließend werden sie sicher gespeichert und sind nicht für die Mitarbeiter in der Filiale zugänglich. Auf die Daten zugegriffen werden soll zudem nur, wenn eine entsprechende Auskunftsanfrage der Regierung vorliegt. (red, 13.5.2020)