Der 178. Revierschlager steht in Dortmund an. Die Zuschauer müssen fern bleiben.

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Dortmund – Nun soll es, man glaubt es kaum, wieder zur Sache gehen. Die deutsche Bundesliga hebt dieses Wochenende wieder an, während in Österreich noch über die Verfehlungen des LASK diskutiert wird, der sich erlaubt haben soll, noch vor dem Stichtag Freitag die gesamte Mannschaft zum gemeinsamen Training zu versammeln und auf die Corona-Richtlinien der Regierung zu pfeifen. Was für ein Skandal!

In Deutschland ist man indes etwas weiter, hat unmittelbar vor dem Start aber andere Probleme. Aus gegebenem Anlass zum Beispiel Borussia Dortmund: Der Trumpf der Gelben Wand sticht diesmal aber nicht, die Ausfälle sind prominent: Vor dem ungewöhnlichsten Derby der Geschichte mit Testspielcharakter sind die Sorgen in Dortmund groß und schmerzhafte Erinnerungen werden wach. In der vergangenen Saison kassierte der BVB mit der Heimniederlage gegen den Erzrivalen Schalke 04 (2:4) den entscheidenden Rückschlag auf dem Weg zum Titel – das soll sich beim 178. Revierschlager der deutschen Bundesliga unter Laborbedingungen am Samstag (15.30 Uhr/Sky) nicht wiederholen.

Sportdirektor Michael Zorc nimmt daher ohne die lautstarke Unterstützung von den Rängen die Mannschaft in die Pflicht. "Ein Derby ohne Zuschauer, da blutet einem das Herz. Wir brauchen ohne die Fans ein höheres Maß an Eigendynamik und Eigenmotivation", sagte Zorc.

Personelle Sorgen beim BVB

Den Schwarz-Gelben wäre das hochbrisante Duell mit den Königsblauen vor der über zweimonatigen Corona-Zwangspause mit Sicherheit lieber gewesen. Mit sieben Siegen in acht Rückrundenspielen hatte die Mannschaft von Trainer Lucien Favre einen Lauf, während die Schalker seit sieben Begegnungen auf einen Erfolg warten. Kapitän Marco Reus (Adduktorenverletzung) wäre zwar auch im März ausgefallen, doch nun muss Favre auch Emre Can, Axel Witsel (beide muskuläre Probleme) und Dan-Axel Zagadou (Knieverletzung) ersetzen. "Wir müssen alles respektieren", sagte der Schweizer, der von "einer großen Herausforderung für alle Trainer und alle Mannschaften" spricht.

Vier Punkte beträgt der Rückstand des BVB auf Spitzenreiter Bayern München, ein erneuter Ausrutscher gegen Schalke könnte schon das Ende aller Titelträume bedeuten. Und die Bilanz spricht gegen Dortmund: Gegen den Rivalen gab es nur einen Sieg in den vergangenen acht Ligaspielen.

Für Sebastian Kehl wird die Begegnung im Kopf entschieden. "Es wird nicht darauf ankommen, wer die größere Qualität im Kader hat, sondern darauf, wem es am besten gelingt, sich auf das Spiel und die ungewohnte Situation einzulassen", sagte der BVB-Lizenzspielerchef. Zorc sieht darin kein Problem. "Als wir angefangen haben, Fußball zu spielen, waren auch keine Fans da und die Bedingungen nicht schön. Trotzdem hat man versucht, sein Bestes zu geben. Das wird jetzt auch die Herausforderung sein", erklärte der Ex-Profi.

Gedämpfte Erwartungshaltung

Gleiches gilt für den Gegner. Für Trainer David Wagner fühlt sich das größte Spiel der Saison sogar wie "das erste Testspiel in einer Vorbereitung" an. Daher kann er das Leistungsniveau seiner Mannschaft kaum einschätzen. "Du hast eine Woche Training und spielst das erste Spiel. Da weißt du überhaupt nicht, was passiert", sagte Wagner, der die Erwartungen auf einen fußballerischen Leckerbissen dämpft: "In der Regel sieht das erste Spiel nach einer längeren Pause in der Vorbereitung nicht so prickelnd aus."

In Abwesenheit von Omar Mascarell und Benjamin Stambouli könnte Daniel Caligiuri die Schalker als Kapitän aufs Feld führen. "Alle sind heiß auf das Derby. Wir müssen versuchen, uns selbst zu pushen", versicherte Caligiuri und forderte, "der Kopf muss richtig eingestellt sein". Ozan Kabak wird bei diesem Versuch aber ebenfalls fehlen.

Fehlen sollen auch die Fans vor dem Stadion. Ansonsten "können sie oder andere vielleicht nie wieder ein Derby gucken", sagte Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau und fügte an: "Wir wollen dafür sorgen, dass die Null steht – die Null bei der Infektionskette." Die Null stand bei beiden Teams allerdings auch im Hinspiel. (sid, 14.5.2020)