Rick Bright (links) erschien zum Hearing mit Schutzmaske und Handschuhen,

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Bis April leitete Dr. Rick Bright eine Behörde, deren Aufgabe es unter anderem ist, die Entwicklung von Impfstoffen voranzutreiben. Nachdem er auf der Chefetage des amerikanischen Gesundheitsministeriums angeeckt war und versetzt wurde, legte er intern Beschwerde ein. Nun ist er – in der Rolle des Whistleblowers, der Missstände zur Sprache bringt – der erste Regierungsmitarbeiter von Rang, der im Parlament aussagt, um pointierte Kritik am Krisenmanagement des Kabinetts Donald Trumps zu üben.

Es sind nicht nur Brights alarmierende Prognosen, die ihm nach seinem Auftritt im Repräsentantenhaus die Schlagzeilen sichern. Falls der Kampf gegen die Pandemie nicht kompetenter geplant werde, hatte er am Donnerstag gewarnt, drohe dem Land im Jahr 2020 der "dunkelste Winter" seiner jüngeren Geschichte.

Schnell herabgestuft bei Kritik

Mindestens genauso aufschlussreich war, was der Immunologe über die Arbeits- und Streitkultur jenes Ministeriums zu sagen hatte, dem die bis vor wenigen Wochen von ihm gelenkte Biomedical Advanced Research and Development Authority unterstellt ist. Was er zeichnete, war das Bild eines Apparats, dessen Chefs häufig allergisch reagieren, wenn jemand auf Versäumnisse hinweist – eines Apparats, in dem man schnell herabgestuft wird, wenn man fachliche Zweifel an den bisweilen ausgefallenen Ideen des Präsidenten anbringt.

Gerade in den ersten Wochen der Epidemie schwärmte Trump von Malariamitteln, die man seiner Ansicht nach in großem Stil anwenden sollte, um Covid-19-Patienten zu behandeln. Bright indes warnte intern, es gebe keinerlei Belege, die den intensiven Einsatz von Chloroquin beziehungsweise Hydroxychloroquin rechtfertigten. Steuergelder sollte man besser nicht für den massenhaften Erwerb von Medikamenten einsetzen, an deren Nutzen im Kampf gegen die Seuche die Wissenschaft zweifle.

Zudem sei es kontraproduktiv, dutzende in Diensten des Staates stehende Forscher an ihrer eigentlichen Arbeit zu hindern, weil die Anweisung laute, sich ganz auf Chloroquin zu konzentrieren. Da er auf seiner Meinung beharrt habe, so der Whistleblower, sei er seines Postens enthoben und auf einen weniger wichtigen im Nationalen Gesundheitsinstitut versetzt worden.

Aus Sitzungen gedrängt

Bereits zuvor hatte er ähnlich ernüchternde Erfahrungen machen müssen. In Besprechungen mit dem Minister, dem früheren Pharmamanager Alex Azar, drängte er darauf, schnellstmöglich Proben des Coronavirus zu untersuchen. Irgendwann durfte er nicht mehr teilnehmen an den Sitzungen: Man habe ihm zu verstehen gegeben, dass er mit seiner "Drängelei" nur "Tumulte" verursache.

Unbeliebt machte sich Bright – jedenfalls laut seiner eigenen Darstellung – auch mit Warnungen angesichts eines akuten Mangels an Atemschutzmasken. Ende Jänner – da war die Corona-Krise in den USA noch kaum mehr als ein Randthema – schlug der Manager eines texanischen Herstellers namens Prestige Ameritech bei ihm Alarm. Der Vorrat an N95-Schutzmasken sei erschreckend gering: "Wir sitzen tief in der Scheiße, wir müssen handeln", schrieb Michael Bowen in einer Mail.

Warnung ignoriert

Die Mahnung, sagt Bright, habe er weitergeleitet an die Führungsebene des Gesundheitsressorts. "Eine Antwort bekam ich nie." Anfang Februar dann war der Maskennotstand Thema eines Meetings mit Ministerialbeamten. Wenn sich das Defizit nicht beheben lasse, so der Tenor, solle man kurzerhand die Richtlinien der Seuchenschutzbehörde ändern und empfehlen, dass nur Leute, die Masken unbedingt bräuchten, etwa Ärzte und Krankenpfleger, diese auch tragen sollten. "Ich kann nicht glauben, dass Sie das sagen und dabei keine Miene verziehen", gibt Bright wieder, was er entgegnete.

Ein Fachmann, der sich weigerte, um des lieben Friedens willen den Mund zu halten und aus Bequemlichkeit der Linie des Weißen Hauses zu folgen – das ist der Eindruck, der nach der Anhörung des Geschassten bleibt.

Der Minister, der ihn herabstufte, betont indes, dass es sich mitnichten um eine Herabstufung handle. Bright, sagt Azar, ziehe es offenbar aus Sturheit vor, nicht zur Arbeit zu erscheinen, trotz des stolzen Gehalts, das man ihm in seinem neuen Job zahle. Konservative Kongressabgeordnete wiederum beeilten sich, das stolze Gehalt zu beziffern: 285.000 Dollar im Jahr. (Frank Herrmann, 15.5.2020)