Auch die Reisekosten von OMV-Chef Rainer Seele sind Gegenstand der Prüfung durch den Aufsichtsrat – und der parlamentarischen Anfrage.
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Die OMV kommt mitten in der Corona-Krise, die dem Ölkonzern ohnedies zusetzt, nicht zur Ruhe. Nachdem Berichte über ausufernde Kosten für Reisen im Privatjet von Konzernchef Rainer Seele, teure Veranstaltungen und Sponsoringaktivitäten bekannt wurden, kündigte der Aufsichtsrat des teilstaatlichen Ölkonzerns eine Prüfung der Vorgänge an. Damit nicht genug: Knapp zuvor hatten die Neos eine parlamentarische Anfrage an den Finanzminister gerichtet, in der sie nicht nur dazu Antworten fordern, sondern auch Aufklärung über das Zustandekommen des vier Milliarden Euro schweren Mehrheitserwerbs am Kunststofferzeuger Borealis.

Was war geschehen? Um den Kaufpreis für die Aufstockung der OMV-Beteiligung an Borealis auf 75 Prozent zu stemmen, verordnete sich der Ölkonzern einen strikten Sparkurs, der im Zuge der Corona-Krise noch verschärft wurde. Dazu passte Anfang Mai ein Bericht des Magazins Dossier über die Millionengage des Konzernchefs nicht gut ins Gesamtbild – im Vorjahr erhielt der 59-jährige Deutsche laut Geschäftsbericht 3,36 Millionen Euro zuzüglich OMV-Aktien. Auch nach zuletzt starken Kursrückgängen sind diese zurzeit noch immer etwa 1,9 Millionen Euro wert. Zudem wurde über einen gewissen Hang zum Luxus im Geschäftsleben von Rainer Seele berichtet.

Flüge im Privatjet

Einer der Eckpunkte waren etwa kostspielige Flüge mit Privatjets des Vorstandschefs mit dem Bedarfsflugunternehmen Jetfly Airline, die sich von 2016 bis 2019 mit etwa 400.000 Euro zu Buche geschlagen haben sollen. Auf Anfrage erklärte die OMV diese Flugreisen mit einem Rahmenvertrag, der noch unter Seeles Vorgänger Gerhard Roiss abgeschlossen worden sei. Sinngemäße Aussage von Ende vergangener Woche: Es habe alles seine Richtigkeit.

Ob dem wirklich so ist, will nun auch der Aufsichtsrat des Ölkonzerns genauer untersuchen. Konkret werden die Reiseausgaben von Seele sowie von Aufsichtsratschef Wolfgang Berndt geprüft. Zudem sollen auch die Sponsoringaktivitäten der OMV genau unter die Lupe genommen werden.

25 Millionen für das Image

Wie Dossier weiter berichtete, soll die OMV den russischen Fußballverein Zenit St. Petersburg, dem angeblichen Lieblingsklub von Präsident Wladimir Putin, mit 25 Millionen Euro gesponsort haben. Die bescheiden wirkende Gegenleistung: Das OMV-Logo soll auf den Shirts des Zenit-Nachwuchses zu sehen sein. Gegenüber dem Kurier bestätigte Seele die Summe nicht. "Es geht um unser Image", sagte er und verwies auf die engen geschäftlichen Verbindungen zu Russland.

OMV-Chef Rainer Seele, in Russland stets um "gutes Image" bemüht, unterfertigt mit Gazprom-Vorsitzenden Alexej Miller im Juni 2019 eine Absichtserklärung – im Hintergrund die damalige Wirtschaftsministerin Elisabeth Udolf-Strobl und der russische Energieminister Alexander Nowak.
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Auf Anfrage sagte OMV-Sprecher Andreas Rinofner über die Untersuchung des Aufsichtsrats: "Das ist ein jährlicher Routinevorgang." Prüfungen dieser Art würden regelmäßig und routinemäßig stattfinden, ein Ergebnis sei bis Ende Juni zu erwarten. Unbeantwortet bleibt damit die Frage, wer genau mit dieser Prüfung beauftragt wird.

"Es gibt viel Aufklärungsbedarf", sagt Neos-Nationalratsabgeordnete Karin Doppelbauer dazu. "Ich hoffe, dass der Aufsichtsrat seine Aufgabe ernst nimmt." Auch Doppelbauer will mehr über die Vorgänge in der OMV in jüngster Zeit wissen und hat dazu eine parlamentarische Anfrage an Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) gestellt, die bis Juli beantwortet werden muss. Die Republik ist über die Beteiligungsholding Öbag mit 31,5 Prozent größter Anteilseigner der OMV.

Fragwürdiger Zeitpunkt

Doppelbauers Wissensdurst wird nicht mit Reisekosten gestillt, auch zum Sponsoring verlangt sie Aufklärung, denn: "Ich kann mir nicht vorstellen, warum ein Unternehmen 25 Millionen in Zenit Petersburg stecken soll ohne echte Gegenleistung." Aber auch zum Zustandekommen der Aufstockung der OMV-Beteiligung von 36 auf 75 Prozent will sie Details erfahren. Doppelbauer zweifelt zwar nicht die strategische Sinnhaftigkeit des Deals an, sehr wohl wundert sie sich aber über den Zeitpunkt des Abschlusses. Im März seien ein tiefer Ölpreis sowie die globalen Ausmaße der Corona-Krise schon absehbar gewesen – eine so große Transaktion zu einem derartigen Zeitpunkt abzuschließen hält Doppelbauer für "eher ungewöhnlich".

Darüber hinaus will sie wissen, ob der Kaufpreis von etwa vier Milliarden angemessen sei, den die OMV für die Aufstockung an den Staatsfonds von Abu Dhabi, Mubadala, zahlt. Dieser ist wiederum mit 24,9 Prozent an dem heimischen Ölkonzern beteiligt.

Für Aufregung sorgte zuletzt auch die Großzügigkeit der OMV gegenüber ehemaligen Managern, besonders Seeles Vorgänger Gerhard Roiss. Laut Geschäftsbericht kassierte dieser 2019, dem vierten Jahr nach seinem Abgang Mitte 2015, mehr als 3,1 Millionen Euro. Dies weckt Erinnerungen an den großzügigen Umgang mit früheren und amtierenden Vorständen bei der ebenfalls teilstaatlichen Casinos Austria, der zu Jahresbeginn Wellen geschlagen hatten. In beiden Fällen gilt: Für die Bezüge aktiver und ehemaliger Vorstände ist der Aufsichtsrat zuständig, über den die Aktionäre bestimmen – also auch die Republik Österreich. (Alexander Hahn, 15.5.2020