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Israel steht nach einem Bericht der "Washington Post" hinter einem Cyberangriff, der vorvergangene Woche einen Hafen im Iran lahmgelegt haben soll. Der Schiffverkehr im Hafen Shahid Rajaei von Bandar Abbas im Süden des Landes sei am 9. Mai unvermittelt zum Stillstand gekommen – zunächst ohne Erklärung.

"Computer, die den Verkehr von Schiffen, Lastwagen und Waren steuern, sind auf einmal abgestürzt", schrieb die US-Zeitung am Dienstag. Dies habe Staus auf Wasserstraßen und Anfahrtswegen zum Hafen verursacht.

Massive Cyberattacke

Vertreter der USA und anderer ausländischer Regierungen gingen nun davon aus, dass es sich um eine massive Cyberattacke Israels gehandelt habe, berichtete die Zeitung. Offenbar sei dies eine Antwort auf einem iranischen Versuch gewesen, Computer zu hacken, die Wasserverteilungssysteme in Israel lenken. Irans Vize-Transportminister Mohammed Rastaf bestätigte nach Angaben der Nachrichtenagentur ILNA, dass es einen Cyberangriff auf den Hafen gab. Allerdings erwähnte er Israel nicht.

Ein namentlich nicht genannter "westlicher Diplomat" sagte dem israelischen Fernsehen am Dienstag, es handle sich um die Reaktion auf eine iranische Cyberattacke vor zwei Wochen. "Der Iran hat eine rote Linie überschritten. Israel musste reagieren." Der Hafen sei bekannt als "Ausgangspunkt" von Waffenlieferungen der Al-Kuds-Brigaden der iranischen Revolutionsgarden.

Die Erzfeinde Iran und Israel werfen sich immer wieder gegenseitig Cyberattacken vor. Israel und die USA werden außerdem als Urheber des Computerwurms Stuxnet vermutet. Er soll vor einem Jahrzehnt bei einem Angriff auf iranische Atomanlagen schwere Schäden in zahlreichen Zentrifugen verursacht haben. (APA, 19.5. 2020)