Am 1. September 2019 wurde der Hurrikan Dorian zur Kategorie 5 hochgestuft. Künftige Wirbelstürme könnten noch stärker werden.
Foto: AP/NOAA

Was atlantische Wirbelstürme betrifft, war 2019 gleich in mehrfacher Hinsicht ein Jahr der Rekorde: Eingeläutet wurde die Hurrikan-Saison am 20. Mai mit dem Sturm Andrea. Damit war das Vorjahr das fünfte Jahr in Folge, in dem sich vor dem 1. Juni ein tropischer Wirbelsturm im nördlichen Atlantischen Ozean gebildet hat. Eine solche Serie ist seit Beginn der Satellitenbeobachtungen bis dato einmalig. Darüber hinaus kam es mit den Hurrikanen Dorian und Lorenzo erstmals seit Beginn der satellitengestützten Beobachtung in vier aufeinanderfolgenden Jahren zu mindestens einem Kategorie-5-Hurrikan. Die Saison zählte überdies zu den wenigen, in denen es mehr als einen Kategorie-5-Hurrikan gegeben hat.

Zeit für Kategorie-6-Hurrikane?

Diese Serie an Stürmen, die in einigen Fällen zu den heftigsten je beobachteten zählten, hat unter Experten die Diskussion angeregt, ob es nicht vielleicht Zeit wäre, eine Hurrikan-Kategorie sechs einzuführen. Eine nun im Fachjournal "Pnas" vorgestellte Studie lässt vermuten, dass dies in naher Zukunft tatsächlich notwendig werden könnte: Ein Team um James Kossin von der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) und der University of Wisconsin-Madison konnte nachweisen, dass in fast jeder Region der Welt, in der sich Wirbelstürme bilden, diese immer stärker werden. Treibstoff dieser Verstärkung dürfte die globale Erwärmung sein.

"Durch Modellierung und unser bisheriges Wissen über atmosphärische Physik stimmt unsere Studie mit dem überein, was wir in einem sich erwärmenden Klima vermuten würden", sagt Kossin. Die Studie baut auf Kossins früherer Arbeit aus dem Jahr 2013 auf, in der Trends in der Hurrikanintensivierung über einen 28-Jahres-Datensatz identifiziert wurden. Laut Kossin war diese Zeitspanne jedoch weniger schlüssig und erforderte mehr Hurrikan-Fallstudien, um statistisch signifikante Ergebnisse zu zeigen.

Eindeutiger Trend: Sie werden mächtiger

Um die früheren Ergebnisse zu untermauern, erweiterten die Forscher daher ihren Datensatz nun um Messungen und Satellitenbilder, die zwischen 1979 und 2017 gesammelt wurden. Mithilfe unterschiedlicher Analysetechniken konnten die Wissenschafter einen einheitlicheren Datensatz erstellen, mit dem auch dieses Mal eindeutige Trends festgestellt werden konnten.

Hurrikan Irma im östlichen Atlantik, September 2017.
Foto: NOAA

"Die größte Hürde bei der Suche nach Tendenzen besteht darin, dass die Daten mit der jeweils aktuell besten Technologie erfasst werden", sagt Kossin. "Jedes Jahr sind die Daten dadurch etwas anders aufgebaut als im Jahr davor. Jeder neue Satellit verfügt über aktuellere Instrumente und erfasst Daten auf unterschiedliche Weise. Am Ende haben wir also ein Flickwerk aller Satellitendaten, die miteinander verwoben werden müssen."

Immer weiter polwärts

Kossins frühere Untersuchungen konnten bereits zahlreiche "Verhaltensänderungen" der Hurrikane nachweisen. So zeigte sich beispielsweise, dass die tropischen Wirbelstürme auf ihren polwärts gerichteten Wanderungen immer weiter nach Norden bzw. Süden kommen und dadurch zuvor kaum betroffene Küstenbereiche einem höheren Risiko ausgesetzt sind. 2018 zeigte Kossin, dass sich Hurrikane aufgrund von Änderungen des Erdklimas langsamer über Land bewegen. Dies hat zu einem höheren Hochwasserrisiko geführt, da die Stürme häufig längere Zeit über Städten und anderen Gebieten verharren.

"Unsere aktuellen Ergebnisse belegen, dass diese Stürme auf globaler und regionaler Ebene stärker geworden sind, was den Erwartungen entspricht, wie Hurrikane auf eine sich erwärmende Welt reagieren", sagt Kossin. Welche dieser Trends in welchem Ausmaß durch menschliche Aktivitäten beeinflusst werden und wie viel nur natürliche Variabilität sind, das ließe sich allerdings vorerst noch nicht genau feststellen, schränkt der Wissenschafter ein. Dies sollte sich aufgrund künftiger Untersuchungen beurteilen lassen, hofft Kossin. (tberg, 25.5.2020)