Sloweniens Regierung hat die Corona-Pandemie im eigenen Land für beendet erklärt. Dass Österreich dennoch keine unkomplizierte Einreise aus dem südlichen Nachbarland zulässt, ärgert die Regierung in Ljubljana.

Foto: Reuters / Borut Zivulovic

Die Zeichen stehen auf Öffnung. Der slowenische Außenminister Anže Logar sprach bereits mit seinen Amtskollegen auf dem Balkan in einer Videokonferenz, wie man künftig gemeinsam mit den Einreise- und Ausreisebestimmungen, den Covid-19-Tests und anderen Bestimmungen umgehen könne. Entschieden wurde bereits, dass kroatische Staatsbürger, ohne irgendwelche Quarantäne-Maßnahmen einhalten zu müssen, nach Slowenien einreisen können. Das gleiche gilt für Slowenen in Kroatien. Das hat auch mit dem Ziel der kroatischen Behörden zu tun, möglichst viele Urlauber aus Slowenien anzuziehen.

Nur Österreich macht im mitteleuropäischen Zusammenhang Probleme. Möglicherweise geht es darum, dass Österreicher dazu gebracht werden sollen, nur in ihrer Heimat Urlaub zu machen und damit Geld auszugeben. Denn während es über das Wochenende ohne jegliche Komplikationen möglich war, nach Slowenien oder Kroatien einzureisen, werden Personen, die vom Süden kommend, nach Österreich einreisen, in eine 14-tägige Heimquarantäne geschickt.

Dies ist insofern merkwürdig, als etwa Einreisende aus Deutschland mitunter gar nicht mehr kontrolliert werden und zudem die Pandemie-Situation in Slowenien und Kroatien vergleichsweise besser ist als in Deutschland. In Slowenien wurde die Pandemie überhaupt für beendet erklärt.

Einreise nach Slowenien weiter ohne Probleme

Die Schikanen an der slowenisch-österreichischen Grenze werden in Ljubljana mit Kopfschütteln betrachtet. Slowenien hat darauf hingewiesen, dass es gut wäre, wenn man die Lockerungen an den Grenzen gegenseitig durchführen würde – auch damit sich Reisende besser orientieren können. Weiterhin werden aber Österreicher "bestraft", wenn sie in das südliche Nachbarland fahren, weil sie bei der Rückkehr nach Österreich ein Papier unterschreiben müssen, dass sie die kommenden zwei Wochen zu Hause bleiben.

Am Montag wurde in Österreich zudem die Meldung verbreitet, dass Slowenien die Grenzöffnung zurücknimmt, was allerdings nicht wirklich der Fall war. Slowenien hat seit Wochenbeginn weiterhin alle österreichischen Staatsbürger einreisen lassen.

In Ljubljana will man lediglich erreichen, dass der nördliche Nachbar, zumindest ab Anfang Juni die Quarantäne-Bestimmungen aufhebt und dazu bilaterale Grenzübertritts-Protokolle vereinbaren. Wenn Nachbarländer für eigene Bürger bei der Rückreise aus Slowenien eine Quarantäne vorschreiben würden, dann seien die Möglichkeiten, dass jemand nach Slowenien kommt, wesentlich geringer als sonst, monierte Regierungssprecher Jelko Kacin.

Er sprach auch von Diskriminierung Österreichs gegenüber Slowenien, weil Reisenden "aus größeren Ländern" (gemeint war Deutschland) die Einreise ermöglich werde, aus einem südlichen Nachbarland (gemeint ist Slowenien) aber nicht. Alles hänge nun von der Reaktion in Wien ab.

Kroatien sucht ebenfalls bilaterale Vereinbarungen

In Slowenien dürfen Journalisten ab sofort auch wieder an den Pressekonferenzen der Regierung physisch teilnehmen. Auch der Güterverkehr mit der Bahn wird am Grenzübergang in Spielfeld gelockert. In den slowenischen Zügen gibt es Abstands-Regelungen, so ist auf jeden zweiten Sitz in einem Waggon ein Verbotszeichen geklebt.

Auch Kroatien bemüht sich indes mit fünf weiteren EU-Staaten bilaterale Vereinbarungen zu schließen, um die Grenzübertritte zu erleichtern. Anvisiert wird ebenfalls der 1. Juni für eine diesbezügliche Lockerung, die auch für Österreicher gelten soll, falls die österreichischen Behörden zustimmen. Bereits seit 9. Mai wurden die Bestimmungen für EU-Bürger seitens der Regierung in Zagreb gelockert – EU-Bürger mit Zweitwohnsitz können ohne Probleme einreisen, aber auch andere, die etwa einen Urlaub gebucht haben oder nur durchreisen wollen.

Ausgelassene Stimmung in Zagreb

In Kroatien war am Wochenende bereits viel Erleichterung, ja fast Ausgelassenheit zu bemerken. Das Land stand nicht nur wegen der Pandemie, sondern auch wegen des Erdbebens unter Anspannung. In Zagreb gab es am Samstag deshalb Partystimmung – in vielen Cafés und Bars, aber auch rund um öffentliche Gebäude wurde bis spät in die Nacht gefeiert. An Abstandsregelungen hielt sich kaum jemand. (Adelheid Wölfl, 20.5.2020)