Newcastle – Englands Fußball-Nationalspieler Danny Rose hat den bevorstehenden Premier-League-Neustart erneut scharf kritisiert. Die Profis würden "wie Meerschweinchen oder Laborratten" behandelt, um während der Coronavirus-Pandemie für Unterhaltung zu sorgen, sagte der Newcastle-Verteidiger dem Podcast "The Lockdown Tactics".

Danny Rose: "Ich könnte möglicherweise meine Gesundheit für die Unterhaltung der Menschen riskieren."
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Insgesamt seien 748 Menschen am Sonntag und Montag auf das Sars-CoV-2-Virus getestet worden, hatte die Premier League am Dienstag mitgeteilt. Es gab sechs positiv auf Corona getestete Personen. Der 29-Jährige sagte zwar, dass er "unbedingt wieder Fußball spielen" und eigentlich nicht klagen wolle – doch nicht um jeden Preis.

"Verdammter Witz"

"Ich kann mir vorstellen, dass die Leute zu Hause sagen, die Fußballer verdienen so viel, also sollten sie zurückkehren", meinte Rose. "Aber für mich ist es den Aufwand nicht wert. Ich könnte möglicherweise meine Gesundheit für die Unterhaltung der Menschen riskieren."

Rose hatte bereits in der vergangenen Woche den für den 12. Juni avisierten Liganeustart als "verdammten Witz" bezeichnet. Medienberichten zufolge könnte sich der Neustart noch um eine weitere Woche verzögern.

Liverpool wieder im Training

Rollt zum Training an: Jürgen Klopp.
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Die Profis des FC Liverpool übten indes nach knapp neun Wochen am Mittwoch erstmals wieder gemeinsam mit dem Ball. "Perfekt, absolut perfekt", sagte Trainer Jürgen Klopp nach der Einheit in Kleingruppen. Er will angesichts der Corona-Gefahr keinen seiner Spieler zum Training zwingen.

"Es ist ihre Entscheidung, das ist klar", betonte Klopp an einem Tag, an dem Liverpools Hoffnung auf den Gewinn der ersten Meisterschaft seit 30 Jahren auf sportlichem Wege wieder ein Stück wahrscheinlicher geworden war. Denn auch die Klubs der seit 13. März pausierenden Premier League dürfen mit ihren Spielern wieder in Kleingruppen trainieren.

Kurze Nacht von Klopp

Die Aussicht auf das erste Wiedersehen sorgte bei Klopp zuvor für eine kurze Nacht. "Ich bin früher aufgewacht als sonst, und dann wurde mir klar: Es ist der erste Tag", sagte Klopp. "Es war wie vor dem ersten Schultag." Später habe er seinen Schützlingen verdeutlicht: "Ihr seid aus freien Stücken hier. Normalerweise habt hier zu sein, wenn ich es sage. In diesem Fall, wenn ihr euch nicht sicher fühlt, müsst ihr es aber nicht sein."

Der Klub würde ein Fernbleiben wegen Gesundheitsbedenken "zu 100 Prozent" respektieren. "Ja, wir lieben Fußball, und ja, es ist unser Job, aber Fußball ist nicht wichtiger als unsere Leben oder das Leben anderer", betonte Klopp. Von seinen fitten Spielern aber marschierten am ersten Trainingstag, den der 18-fache englische Meister in Gruppen zu fünf Akteuren bestritt, alle wieder auf.

25 Punkte Vorsprung

"Die Jungs sind in bester Stimmung, es wird viel gelacht", sagte Klopp. 25 Punkte beträgt der Vorsprung des Champions-League-Siegers auf Manchester City. Wann es zum Restart kommt, ist noch nicht endgültig geklärt. Bisher galt eine Fortsetzung mit Geisterspielen am 12. Juni als wahrscheinlich. Laut Medienberichten könnte sich dieser aber um eine Woche verzögern.

Bedingung der britischen Regierung sind strenge Sicherheitsvorkehrungen, zudem darf die Zahl der Corona-Infizierten nicht wieder steigen. Der für Sport zuständige Minister Oliver Dowden stellte die Genehmigung von Körperkontakt-Training im Spitzensport noch für diese Woche in Aussicht. (APA, 21.5.2020)