Einsatzkräfte an der Absturzstelle.

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Ein Triebwerk der Unglücksmaschine.

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Das zweite Triebwerk.

Foto: AP/Fareed Khan

Karatschi – Beim Absturz einer Passagiermaschine in einem dicht besiedelten Wohnviertel der größten pakistanischen Stadt Karatschi sind Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der bestätigten Toten erhöhte sich nach Angaben der Behörden bis Freitagabend von zuletzt 56 auf mindestens 80. Laut Pakistan International Airlines (PIA) hätten mindestens zwei Fluggäste das Unglück überlebt. Zuvor war von drei Menschen die Rede gewesen.

Noch einige offene Fragen

Unklar war, ob es sich bei den Todesopfern zunächst nur um Passagiere des Airbus A320 der PIA handelte oder etwa auch um Bewohner der bei dem Absturz zerstörten Gebäude. Von der Unglücksstelle stieg dichter Rauch auf, der Flugzeugrumpf steckte in den Trümmern mehrstöckiger Gebäude.

Auch die Absturzursache war zunächst unklar. Der Pilot soll kurz zuvor einen Ausfall beider Triebwerke per Funkspruch gemeldet haben. Die Maschine mit 99 Menschen an Bord war in Lahore gestartet und auf dem Landeanflug in Karachi.

Funkverkehr veröffentlicht

Eine Aufzeichnung des Funkverkehrs zwischen Pilot und Tower wurde auf der Beobachtungs-Website liveatc.net veröffentlicht. Demnach versucht der Pilot zwei Mal zu landen. Den ersten Versuch bricht er ab. Er fliegt eine Kehre und versucht erneut, zur Landung anzusetzen. Ein Fluglotse sagt dem Piloten, er drehe offenbar nach links und komme vom Kurs ab. Der Pilot antwortet: "Wir drehen um, Sir, die Triebwerke sind ausgefallen." Der Fluglotse gibt zwei Landebahnen für die Maschine frei.

Zwölf Sekunden später setzt der Pilot einen Notruf ab: "Mayday, Mayday, Mayday!" Erneut sagt der Lotse, zwei Landebahnen seien frei. Dann bricht die Verbindung ab. Ein Augenzeuge berichtete, das Flugzeug habe zuerst einen Mobilfunkmast gerammt, dann sei es über den Häusern wenige Kilometer vor dem Flughafen abgestürzt.

Dramatische Szenen

Verletzte wurden aus den Trümmern eingestürzter Gebäude herausgezogen, während Feuerwehrleute Brände bekämpften. Dutzende Menschen wurden laut Behörden in ein Krankenhaus von Karachi gebracht, wo der Notstand ausgerufen wurde. Die dicht besiedelte Hafenstadt Karatschi im Süden Pakistans hat rund 14 Millionen Einwohner.

Einer der Überlebenden, Bankdirektor Zafar Masud, sei in einem stabilen Zustand, sagte der Chefminister der südlichen Provinz Sindh, Murad Ali Shah, der den Mann in einem Krankenhaus traf. Masud saß laut Passagierliste in der ersten Reihe. Es könne noch weitere Überlebende geben, sagte ein Sprecher der Airline.

Der Pilot hatte die Staudruckturbine ausgefahren.

Beileidsbekundungen

Pakistans Premierminister Imran Khan drückte den Opfern und Familien sein Beileid aus. "Schockiert und betrübt über den PIA-Absturz", schrieb Khan auf Twitter. Er kündigte eine umgehende Untersuchung an.

Der Luftfahrtkonzern Airbus teilte mit: "Unsere Gedanken sind bei allen Betroffenen."

Rückblick

Der Absturz erfolgte nur eine Woche nach der Entscheidung der pakistanischen Behörden, den Flugverkehr im Inland wieder aufzunehmen. Wegen der Corona-Pandemie sind internationale Flüge in das südasiatische Land noch bis Ende des Monats ausgesetzt.

Bereits im Jahr 2016 kam es zu einem Absturz einer Maschine der staatlichen Fluggesellschaft PIA mit rund 50 Toten. 2012 starben 127 Menschen beim Absturz einer Maschine einer kleinen privaten Airline auf dem Weg von Karatschi nach Islamabad. Im Jahr 2010 stürzte ein Airbus vor der Landung in der Hauptstadt Islamabad ab, alle 152 Insassen kamen bei dem Unglück ums Leben. (red, APA, 22.5.2020)