Warnschild beim Gelände der White Sands Missile Range in New Mexico, USA. Dort wurde am 16. Juli 1945 die erste Atombombe jemals getestet.

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Washington – Die USA haben einem Medienbericht zufolge als potenzielle Warnung an Russland und China erstmals seit 1992 einen Atomtest in Erwägung gezogen. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump habe dies bei einem Meeting am 15. Mai besprochen, zitierte die "Washington Post" am Freitag einen ranghohen Regierungsmitarbeiter sowie zwei ehemalige US-Beamte.

Dem Bericht zufolge blieb das Gespräch zunächst ohne Ergebnis. Uneinig waren sich die zitierten Quellen demnach darin, ob die Gespräche andauern. Ein Vertreter sagte, man habe sich für eine andere Abschreckungsvariante entscheiden. Ein anderer sagte aber, die Diskussionen über einen möglichen Atomtest seien "durchaus noch im Gange".

Mögliche Verhandlungstaktik für Atomabkommen

Zuvor hatten einige US-Beamte Medienberichten zufolge behauptet, Russland und China hätten zuletzt eigene Atomtests mit Waffen von sehr geringer Sprengladung vorgenommen. Moskau und Peking wiesen das bisher stets zurück. Die USA lieferten keine Belege für die Behauptung.

Ein ranghoher Regierungsbeamter sagte der "Washington Post", die Fähigkeit der USA für einen "schnellen Test" zu verdeutlichen, könnte als Verhandlungstaktik bei den Bemühungen der USA um ein Atomabkommen mit Russland und China dienen.

Ende der Abrüstung

Ein US-Atomtest würde eine dramatische Abkehr von der bisherigen US-Verteidigungspolitik bedeuten und andere Atommächte alarmieren. Abrüstungsaktivisten verurteilten die möglichen Pläne für einen US-Atomtest. "Dies wäre der Startschuss für ein beispielloses nukleares Wettrüsten", sagte der Leiter der NGO Arms Control Association, Daryl Kimball, dem Blatt. Ein solcher Test dürfte zudem die Atomverhandlungen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un zum Erliegen bringen.

Ein neues Wettrüsten wird ohnehin befürchtet. Russland und China haben zuletzt massiv in neue Waffen investiert, auch die USA haben die Militärbudgets immer weiter erhöht. Zudem hat sich Washington unter Trumps Führung aus einer Reihe von Abrüstungsverträgen zurückgezogen, zuletzt kündigte der Präsident Mitte der vergangenen Woche ein Ende des "Open Skies"-Abkommens an, das Kontrollflüge der USA beziehungsweise Russlands über das Territorium des jeweils anderes Landes und dessen Verbündeter erlaubt.

Kim Jong-Un soll militärische Anordnung ausgestellt haben

Die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA meldete am Sonntag, Kim habe ein Treffen der Zentralen Militärkommission mit Beratungen über Wege zur Steigerung der "atomaren Kriegsabschreckung" geleitet. Dabei seien auch "entscheidende Maßnahmen" getroffen worden, "um die Feuerkraft der Artilleriegeschütze der Koreanischen Volksarmee erheblich zu erhöhen". Zudem sei diskutiert worden, "die strategischen Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft zu versetzen".

Wann das Treffen stattfand, blieb offen. Allerdings hieß es in einem KCNA-Bericht von demselben Treffen, dass eine von Kim unterzeichnete militärische Anordnung am Samstag ausgestellt worden sei.

Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN), die 2017 den Friedensnobelpreis erhalten hatte, warnte, ein US-Atomtest könne zu einem "neuen Kalten Krieg" führen und "jede Chance zur Vermeidung eines gefährlichen neuen Atomwaffenwettrüstens zunichtemachen". Es drohe eine "vollständige Erosion des weltweiten Waffenkontrollrahmens". (APA, red, 23.5.2020)