Auch in den Alpen nimmt die Schneemenge immer mehr ab. In Nordamerika ist der Trend jedoch deutlich auffälliger.

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Helsinki – Der subjektive Eindruck, dass es im Winter mittlerweile weniger Schnee gibt als in früheren Jahrzehnten, ist keine Täuschung: Zumindest für die Alpen zeigte eine ausführliche Analyse durch die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) vor einigen Jahren, dass die Schneehöhen und die Dauer der Schneebedeckung seit den 1950er-Jahren in den meisten Regionen Österreichs tatsächlich abgenommen. Diese Tendenz ist freilich von Schwankungen und kurzen Trends überlagert, was allgemeine Vorhersagen für die Schneemengen der nächsten Jahre annähernd unmöglich machen.

Global gesehen lässt sich der langfristige Trend jedoch in dieser Deutlichkeit nur in Übersee wahrnehmen: Laut einer aktuellen Studie sind die Schneemengen auf der Nordhalbkugel in den vergangenen 40 Jahren in Nordamerika deutlich stärker zurückgegangen als in Eurasien.

Kaum Abnahme in Eurasien

Während die Gesamt-Schneemenge in Nordamerika seit 1980 pro Jahrzehnt im Schnitt um 46 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) abnahm, blieb sie demnach in Eurasien mit einem Rückgang von drei Gigatonnen nahezu unverändert. Das schreiben Forscher des Meteorologischen Instituts in Helsinki in der Fachzeitschrift "Nature". Regional stellten die Wissenschafter aber sowohl Ab- als auch Zunahmen fest. Gründe für die unterschiedliche Entwicklung wurden in der Studie nicht untersucht.

Dass die Ausdehnung der winterlichen Schneedecke auf der Nordhalbkugel schwindet, steht schon lange fest. Die finnischen Forscher konzentrierten sich jedoch auf die Schneemengen. Dazu entwickelten sie eine Methode, mit der sich deren Veränderungen verlässlicher abschätzen lassen. In der Vergangenheit hätten Schätzungen der Schneemengen auf der Nordhalbkugel kein stimmiges Gesamtbild geliefert, schreiben sie.

49 Gigatonnen weniger auf der Nordhalbkugel

Für ihre Analyse nutzten sie Datensätze aus neuen Satellitenbeobachtungen und korrigierten sie basierend auf Messungen am Boden. Insgesamt sank die Schneemenge auf der Nordhalbkugel demnach pro Jahrzehnt um 49 Gigatonnen.

Für die Wissenschaft sind die Daten wichtig, da sich Änderungen bei der Verteilung und Beständigkeit von Schneemengen auch auf das Klima und die Süßwasserreserven auswirken. Außerdem hoffen die Forscher, mit den Erkenntnissen genauere Wettervorhersagen entwickeln und Hochwasserrisiken besser abschätzen zu können.

Mehr Schnee in Ostsibirien

Neben den über die Kontinente feststellbaren Trends beobachteten die Wissenschafter regional aber auch deutliche Zu- und Abnahmen bei der Veränderung der Schneemengen. So habe beispielsweise in den vergangenen Jahren die Schneemenge in Ostsibirien deutlich zugenommen, heißt es in der Studie. In die Untersuchung flossen jeweils Messungen im Februar und März von 1980 bis 2018 auf der Nordhalbkugel ab dem 40. Breitengrad ein, wobei Gebirgsregionen ausgenommen blieben. (red, APA, 25.5.2020)