Investoren, die auf Gold gesetzt haben, sind bisher gut durch die Corona-Krise gekommen – und brauchen auch die weitere Entwicklung nicht zu fürchten. Ganz im Gegenteil, denn laut Ronald Stöferle vom Vermögensverwalter Incrementum steht nicht weniger als "der Aufbruch in eine goldene Dekade" bevor. Die Krise wegen des Coronavirus sieht er als Brandbeschleuniger einer ohnedies überfälligen Rezession der US-Wirtschaft. "Die Probleme, die durch die Corona-Krise zutage treten, haben unter der Oberfläche bereits gebrodelt", sagt Stöferle bei der Präsentation des diesjährigen "Gold Report".

Mit Gold auf der hohen Kante dürften gute Zeiten bevorstehen.
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Bereits seit dem Vorjahr befindet sich das Edelmetall ihm zufolge in einem Bullenmarkt, also einer Phase langfristig steigender Kurse, und erzielte in den meisten Währungen, darunter auch dem Euro, bereits neue Preisrekorde. Nur gegenüber dem US-Dollar hat das bisherige Rekordhoch von knapp über 1.900 Dollar je Feinunze aus dem Jahr 2011 noch Bestand. Kurzfristig erwartet Stöferle zwar eine "Verschnaufpause"", danach sollte der Goldpreis auch diese Marke anvisieren. "Ein Allzeithoch in US-Dollar ist nur noch eine Frage der Zeit."

Kursziel bei 4.800 Dollar

Auf lange Sicht, welcher die Incrementum-Experten diesmal besonderes Augenmerk schenken, sieht es sogar noch besser aus. Bis Ende der laufenden Dekade erwartet Stöferle, dass der Goldpreis etwa 4.800 Dollar je Feinunze erreicht. Das entspricht einem Anstieg um das 1,8-Fache verglichen mit dem aktuellen Niveau von knapp über 1.700 Dollar.

Endgültig gescheitert ist aus Sicht der Incrementum-Experten die Normalisierung der Geldpolitik, da nun Regierungen und Notenbanken für Corona-Hilfen aus dem Vollen schöpfen. Insgesamt 20,2 Billionen Dollar wurden Stöferle zufolge dadurch bis Mitte Mai in Bewegung gesetzt, das entspreche fast 24 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung.

Inflation am Horizont

Kurzfristig sei wegen der Corona-Krise ein deflationärer Druck vorhanden, den die extrem expansive Geldpolitik der Notenbanken abfedern soll. Mittel- bis langfristig erwartet Stöferle jedoch, dass der fiskalische Stimulus der Regierungen stärker auf die Verbraucherpreise durchschlagen werde als Geldpolitik, die hauptsächlich die Vermögenspreise antreibe. "Inflation ist nicht ums Eck, aber am Horizont sieht man Inflationsrisiken", folgert der Goldexperte.

Das könnte jene 14 Billionen Dollar in Bewegung setzen, die Investoren derzeit in negativ rentierende Anleihen veranlagt haben. Neben Aktien und Immobilien sieht Stöferle einen weiteren Profiteur, nämlich Gold. (Alexander Hahn, 27.5.2020)