In Zeiten von Corona muss die Ultraschalluntersuchung mit Foto oder Video festgehalten werden, denn Begleitpersonen sind in den meisten Fällen nicht erlaubt.

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Inmitten einer weltweiten Gesundheitskrise stellt sich für Paare mit Kinderwunsch die Frage, ob es sicher ist, nun Kinder in die Welt zu setzen. Mediziner antworten auf die häufigsten Fragen:

Müssen Eltern sich Sorgen machen über mögliche Auswirkungen von Covid-19 auf Schwangere oder das Kind?

Nein. Aufgrund der aktuellen Datenlage gibt es keine Hinweise darauf, dass Schwangere gefährdeter sind als die allgemeine Bevölkerung. Die Mehrheit der schwangeren Frauen mit Covid-19 hatte nur leichte oder mittelschwere Symptome, ähnlich einer Erkältung oder eines grippalen Infekts. "Die einheitliche Empfehlung ist, den Kinderwunsch nicht aufzuschieben", sagt die Wiener Gynäkologin Eva Lehner-Rothe. Auch Fehlgeburten oder Fehlbildungen bei Kindern seien bisher nicht beobachtet worden. Aus China gibt es hier bereits Studien mit höheren Fallzahlen. "Auch für eine vertikale Transmission, also die Übertragung des Virus von der Mutter auf das ungeborene Kind, gibt es keine Belege", so Lehner-Rothe.

Können werdende Mütter während Schwangerschaft und Geburt weiterhin gut versorgt werden?

"Die medizinische Betreuung ist für Schwangere aufgrund des sehr gut ausgebauten Gesundheitssystems in Österreich mittel- und langfristig nicht in Gefahr", sagt Michael Feichtinger vom gleichnamigen Wunschbaby-Institut in Wien. Aus der ersten Welle habe man viel gelernt, bestätigt Lehner-Rothe. "Es hat sich ein Standardvorgehen etabliert, das bei einer möglichen zweiten Welle zum Einsatz kommen wird", sagt sie – etwa dass Väter bei der Geburt dabei sein dürfen und dann das Spital verlassen müssen.

Pränatalmedizinische Spezialuntersuchungen wurden im Rahmen der ersten Covid-19-Beschränkungen eingestellt, sind mittlerweile aber wieder möglich. Diese Untersuchungen werden auch weiterhin und selbst dann, wenn eine zweite Welle kommt, möglich sein, sagt Lehner-Rothe: "Die Kollateralschäden wären viel zu groß, wenn wochenlang nichts gemacht wird." Etwa der Combined-Test kann nur in der zwölften bis 14. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden.

Ist das Mitbringen einer Begleitperson bei gynäkologischen Kontrollterminen verboten?

Das wird unterschiedlich gehandhabt. "Es ist natürlich schade, dass der werdenden Papa nicht zu den Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen mitkommen kann – auch für die Frauen", so Lehner-Rothe. Es sei aber auch möglich, die Untersuchungen per Foto oder Video festzuhalten.

Gilt in den Spitälern weiterhin Besuchsverbot?

Ja. "Doch ich glaube, für die Frauen ist das gut aushaltbar. Oft gibt es hier ohnehin zu viele Verwandtenbesuche", sagt Lehner-Rothe. Womöglich können die Frauen sich durch weniger Ablenkung sogar schneller von den Strapazen der Geburt erholen, so die Gynäkologin. Zudem ist nun für viele werdende Mütter eine ambulante Geburt zu einer Option geworden, bei der Mutter und Kind nach 24 Stunden das Spital wieder verlassen und zu Hause von einer Hebamme nachbetreut werden.

Gibt es Paare, die den Kinderwunsch verschieben?

Die Anfragen in Kinderwunschinstituten sind laut Feichtinger ungebrochen hoch: "Für viele Paare ist gerade jetzt die Zeit des Homeoffice bzw. der Kurzarbeit 'ideal', um am Wunschbaby zu basteln." Ein latent bestehender Kinderwunsch wurde durch die Corona-Krise höchstens kurzfristig verschoben, als die größte Unsicherheit beim ersten Auftreten und raschen Zuwachs der Fälle aufkam, so der Experte. Möglicherweise sind es aber finanzielle Sorgen, die Paare derzeit von ihrem Kinderwunsch abbringen, etwa wenn sie von Arbeitslosigkeit betroffen sind.

Vor allem Paare, die sich bereits in einer Kinderwunschklinik behandeln lassen, haben aufgrund eines oft relativ späten Kinderwunsches nicht die Möglichkeit, ihre Kinderpläne aufzuschieben, "das könnte sogar stark negative Auswirkungen haben", so Feichtinger. Während der Ausgangsbeschränkungen im März und April habe man jungen Paaren zu einer Verschiebung der Kinderwunschbehandlung geraten, mittlerweile sind wieder alle Behandlungen möglich, und ein weiteres Aufschieben wird nicht mehr empfohlen.

Machen sich die Patientinnen Sorgen?

"Einige haben nachgefragt, ob es sicher ist, derzeit Kinder zu bekommen", sagt Lehner-Rothe. Insgesamt sei es aber eine Typ-Sache: "Manche sind pragmatisch und unkompliziert, andere ängstlich." Corona sollte jedoch kein Hindernis sein, schwanger zu werden. (red, 30.5.2020)