Die Bundesregierung mit Kanzler Sebastian Kurz an der Spitze gab am Freitag der selbstauferlegten Maskenpflicht in weiten Teilen des öffentlichen Lebens wieder den Laufpass.

Foto: Reuters / Lisi Niesner

Die Maske wird "Schritt für Schritt ein Stück weit abgelegt". Das war die Kernbotschaft von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), der am Freitag auf die nach wie vor sehr niedrigen Corona-Ansteckungszahlen in Österreich verwies. Das mache den angekündigten Start einer neuen Phase in Richtung "weniger Regeln, mehr Eigenverantwortung" möglich: Ab 15. Juni, also in zwei Wochen, muss ein Mund-Nasen-Schutz nur noch in bestimmten Bereichen getragen werden: in Öffis, im Gesundheitsbereich inklusive Apotheken sowie in jenen Dienstleistungsbereichen, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.

Die Maskenpflicht gilt laut Kurz dann aber nur noch etwa für Mitarbeiter in Friseurläden oder der Gastronomie – aber nicht mehr für Kunden. Nicht mehr benötigt wird die Maske also beim Einkaufen in Supermärkten und Geschäften, in der Schule oder auch im Tourismus. Auch für Polizisten wird es Erleichterungen geben.

Zudem gibt es weitere Lockerungen in der Gastronomie: Die Sperrstunde wird von 23 Uhr auf ein Uhr nachts verlegt. Und die Vier-Personen-Regel pro Tisch wird gekippt. Künftig sind also auch größere gesellige Runden wieder möglich. Was bleibt, ist der Mindestabstand zwischen den Tischen verschiedener Gruppen.

Keine regionalen Lockerungen

Diese Maßnahmen gelten für ganz Österreich. Regionale Lockerungen für Bundesländer, die fast nicht mehr von Corona betroffen sind, wird es damit vorerst nicht geben. An einem entsprechenden Paket wurde zuletzt vom Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) und seinem oberösterreichischen Amtskollegen Thomas Stelzer (ÖVP) gewerkt. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) versicherte aber, dass dieses Konzept "weitgehend eingearbeitet" worden sei.

Die Regierung wählte den anderen Weg: Denn laut Anschober kann es bei einem regional signifikanten Anstieg von Zahlen durchaus auch zu Verschärfungen in nur einigen Bundesländern kommen. Der Minister nannte es "länderspezifische Reaktionen".

Zuletzt wurde ein großer Ansteckungscluster rund um Postverteilzentren und Asylunterkünfte in Wien und Niederösterreich bekannt. Bisher seien die Bundesländer bei der Entwicklung von Maßnahmen aber "höchst kooperativ" gewesen. Das Hauptziel sei laut Anschober, eine zweite Welle zu vermeiden. Bei dem angeführten Cluster habe es mehr als 200 Erkrankungsfälle gegeben. Das Bemerkenswerte: Mehr als zwei Drittel der Fälle seien asymptomatisch gewesen. "Das Virus ist nicht auf Urlaub", so Anschober.

27 Neuinfektionen, davon 23 in Wien

Zuletzt gab es laut Kurz österreichweit nur noch insgesamt 27 Neuinfektionen in 24 Stunden. 23 Neuerkrankungen davon betrafen ein Bundesland: Wien. In fünf Ländern gab es gar keine Neuinfektionen mehr.

Weil es aber auch 61 neue Genesene gab, ist die Zahl der Erkrankten weiterhin am Sinken: Zuletzt waren es laut Anschober nur noch 640 aktiv Erkrankte. Mit möglichen regionalen Verschärfungen müsste sich bei einem größeren Anstieg der Neuinfektionen nach derzeitigem Stand also nur Wien als einzige Millionenstadt des Landes beschäftigen.

Quarantänepflicht bei Einreise fällt teilweise

Kurz gab zudem bekannt, dass ab 15. Juni auch die 14-tägige Quarantänepflicht – oder ein notwendiger negativer Corona-Test – bei der Einreise aus Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz fällt. Eine vollständige Grenzöffnung ohne Kontrollen ist hier vorgesehen. Mit den weiteren Nachbarstaaten gebe es gute Gespräche und teils auch akkordierte Lösungen. Mit Italien gebe es aber noch größeren Diskussionsbedarf. Am Mittwoch sollen hier weitere Details präsentiert werden.

Bezüglich der Aufhebung der Maskenpflicht an Schulen verwies Kurz auch auf eine Pressekonferenz von Bildungsminister Heinz Faßmann am Samstag. Denn dem Vernehmen nach könnte das Aus für die Maske an Schulen auch früher kommen. Anbieten würde sich etwa der Mittwoch nach Pfingsten. Was hingegen bis zum Sommer durchgehalten wird: Abstandsregeln und Schichtbetrieb. Wobei es auch bei Letzterem noch zu Änderungen kommen könnte – so wird etwa an eine freiwillige Bewegungseinheit am Nachmittag gedacht. Was vorerst noch offenbleibt, ist, ob auch die Dauer des Unterrichts wieder ausgeweitet wird. Außerdem will man für Maturafeiern und den letzten Schultag lebbare Regelungen finden.

Am Freitag sperrten übrigens erstmals seit dem Lockdown Mitte März Hotels, Freibäder und Thermen sowie Fitnessstudios wieder auf. Beim Betreten und Verlassen der Einrichtungen ist ein MNS-Schutz verpflichtend. Auch Freizeiteinrichtungen wie die Fahrgeschäfte im Prater, das Riesenrad oder die Aussichtsplattformen auf dem Donauturm haben geöffnet. (David Krutzler, Karin Riss, 29.5.2020)